28. Mai 2015

Spring Style Along: Being on the Needle III

Also ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das Sinn macht hier noch weiter am SSA teilzunehmen, denn wirklich viel vorzuweisen habe ich bislang nicht:
  • 3 schlecht sitzende Hosen
  • eine halb-schlecht sitzende Hose
  • 1 Bluse
Fehlen also "nur" noch
  • 1 Culotte
  • 1 navy-blaue Hause in 7/8-Länge
  • 1 cremefarbene Bluse
Das Klassenziel also nur zu 25 % erreicht. Na super. Außerdem habe ich festgestellt, dass mich so ein Sew- oder diesem Fall Style-Along einfach mental nur stresst. Motiviert bin ich eigentlich immer, das muss ein Sew-Along also gar nicht leisten. Und bei meinen Passformproblemen konnte/kann mir ja letztlich auch keiner helfen.  Ich schaffe es nur am Wochenende zu nähen und wenn ich meine Pläne nicht erreiche, bin ich gefrustet. Massiv. Das braucht kein Mensch und der liebe Herr Galoppo am Allerwenigsten. Weshalb ich mich erst mal auf absehbare Zeit von der Teilnahme an 'Alongs' jeglicher Art fernhalten werde... 

Ach ja: Etwas kann ich dann aber doch vorweisen:  Den Durchbruch beim Hosen anpassen!

Echt jetzt. Letzte Woche hatte ich immerhin schon mal sehr richtig festgestellt, dass es ein Ungleichgewicht zwischen der hinteren Mitte und der Seitenlänge beim hinteren Hosenbein gibt. Die hintere Mitte ist zu lang. Oder aber die Seitennaht zu kurz, wie man's nimmt. Mein Versuch, das durch eine Anpassung der hohen Hüfte auszugleichen, d.h. die Seitennaht im Bereich ca. 10 cm unterhalb des Bundansatzes durch einen keilförmigen Einschub zu verlängern, brachte keinen Erfolg.

Stattdessen habe ich noch einen weiteren Mangel entdeckt, nämlich dass die Seitennaht meiner Hosen - gekaufte wie genähte - im Bereich der Wade nach hinten gezogen werden. Auch das noch!

Folgende Mängel gilt/galt es also auszugleichen:
  • die Schrittkurve sitzt zu weit oben, vorne aber fast zu weit unten (= 'baggyness in the front crotch')
  • Falten direkt unterhalb des Pos, die durch eine 'Flat  Seat Adjustment' nicht behoben werden können (rot eingekreist)
  • Seitennaht im Verhältnis zur hinteren Mitte zu kurz, daraus ergeben sich diagonale Falten von der Seitennaht nach innen oberhalb und ich Richtung des Schritts (markiert in Pink)
  • 'large inner thighs' und nach innen einknickende Knie, die zu diagonal nach außen verlaufenden Zugfalten von der Innenbeinnaht ab dem Kniebereich führen (markiert in rot)
  • an der vorderen Hose zu viel Stoff unterhalb des Schritts
  • Anpassung für die Wade 




(Notiz an mich: andere Slips kaufen...)

Tolle Bilanz. Führte dann auch erst mal zu doppelt mieser Laune, da ich ja offensichtlich nur schief gebaut bin. Nennt mich Quasimodo! -.-

Die Innenseite der Oberschenkel und die leichten X-Beine konnte ich durch das Verschieben des Beins um 1,5 cm nach Innen ab Kniehöhe nur teilweise beheben. Passenderweise traf genau danach meine Ausgabe von "Hosen die gut sitzen" ein, und da stand, dass das Bein um bis zu 4 cm nach innen geschoben werden kann. 3 cm waren dann ein guter Wert und immerhin diese Falten schon mal weg. Hooray!

Die Falten unterhalb des Popos und die Schrägzüge oberhalb waren aber immer noch da.
Bei einer Schnittbesprechung von Mad for Mod zur Colette-Clover hatte ich absolut zufällig einen Link von Julia (Sewing Galaxy) gefunden. Ich kann kein Russisch, die Google-Übersetzung nur Bahnhof-Umsteigen, und um ihr eine E-Mail zu schreiben war ich einfach zu faul. )Immerhin ist der Beitrag von 2012 - keine Ahnung ob das jetzt noch die Empfehlung der ersten Wahl ist.) In totaler Verzweiflung habe ich einfach Pi mal Daumen ca. 7 cm unterhalb des Schritts eingeschnitten und oben ca. 10 cm unterhalb der Hüfte geendet. An Vorder- und Hinterteil habe ich dich Schnittkanten ca. 1,2 cm übereinander geschoben und so keilförmig verlaufend die Länge reduziert. 

Das Ergebnis war dann endlich der Durchbruch:
  • die Falten unterm Po signifikant reduziert
  • die Schrittkurve sitzt deutlich tiefer und endlich fast da wo sie hingehört
  • die diagonalen Falten sind weg
  • gerade nach unten verlaufende Seitennaht
  • die Bügelfalte vorn fällt gerade über das Knie zum Knöchel
  • aber: an der vorderen Hose zeigt sich jetzt ein leichter Katzenbart...
Hinten habe ich das Gefühl kann ich durchaus mehr wegnehmen als vorne. Das heißt hinten würde ich jetzt noch mal 1 cm weiter überlappen und dafür am vorderen Hosenteil wieder 0,3 cm zugeben.

Dann müsste es eigentlich soweit passen. Captain Krummbein, aye! Segel setzen, hart Steuerbord Richtung Ultimately Fitting Pant Island...

20. Mai 2015

MMM am 20. Mai 2015 - Look at my fucking red trousers!

Look at my fucking red trousers! :D

Heute bin ich endlich mal wieder beim MeMadeMittwoch dabei. Wie schaffen das andere nur, jeden Tag für den MeMadeMay ein Foto zustande zu bringen?! Mit Stativ und Fotofernbedienung wäre es vielleicht auch bei mir machbar. Aber irgendwie bin ich auch sehr foto-unlustig in den letzten Monaten. Am Sonntag sind allerdings ganz brauchbare entstanden, als wir uns gegen Abend noch mal auf den Weg in Richtung Schwarzes Häuschen gemacht haben.

Ausgeführt habe ich meine neue Hose und meine neue Bluse, die im Rahmen des Spring Style Alongs - organisiert von Mamamachtsachen und Marja Katz - entstanden sind.

Die Schuhe passen nur suboptimal aber auf Weinbergswegen geht Bequemlichkeit vor Schönheit


Die Bluse ist Burda 130 aus Ausgabe 5/2014. Sie trägt sich wirklich angenehm und man muss erstaunlich wenig dran rumzuppeln. Hier noch ein paar Detailaufnahmen, a.k.a. "pattern matching porn". Dafür habe ich aber auch jedes Teil einzeln zugeschnitten:



Die Hose ist Burda 109 aus Ausgabe 9/2014:




Die sehr gelungenen Einsätze, in denen sich die Abnäher verstecken, sieht man leider nicht. Mehr zu Entstehungs- und Anpassungsgeschichte der Hose findet ihr hier. Mit Taschenbeuteln aus Blumenstoff <3:



Der Stoff ist ein leicht elastischer Baumwollköper, den ich mal als Stoffcoupon bei K*rstadt migenommen hatte. Er wirkte eher unscheinbar aber jetzt verarbeitet stelle ich fest, dass er eine ganz tolle Haptik und Stabilität hat. Da muss ich wohl noch mal nach anderen Farben Ausschau halten.

Das Schwarze Häuschen ist ürbigens ein Weinprobierstand auf dem Gelände des hessischen Staatsweinguts in der Nähe von Kloster Eberbach. Neben Wein der Staatsdomäne gibt's da auch Kleinigkeiten zum Essen. Wir wollten aber einfach nur ein Weinchen trinken und die herrliche Aussicht über den Rheingau genießen:




Praktischerweise sind wir von unserer Wohnung aus in einer knappen halben Stunde dort hin spaziert...Leben, wo andere Urlaub machen - herrlich! (Und da muss erst ein Bremer auftauchen, um mir das alles zu zeigen...was war ich nur für eine Banausin...;)
 

19. Mai 2015

Spring Style Along - Being on the needle II...oder wieder mal Hosen!

Wieder eine Woche vorbei und diesmal heißt es bei Marja Katz "Being on the Needle II". Wir sollten also hoffentlich alle intensiv am Nähen sein...

Ja, ja, das Hosenthema - es lässt mich einfach nicht los. Letzte Woche dachte ich ja noch, dass ich ein Flat Seat Adjustment brauchen könnte, wollte diese Annahme aber erst mal an einem anderen Hosenmodell verifizieren. So viel sei gesagt: ein Flat Seat Adjustment brauche ich wohl nicht. Im Ergebnis zog die Hose hinten beim Hinsetzen nämlich nur derbe nach unten und die gerade gestellte Naht in der rückwertigen Mitte musste ich schlussendlich wieder schräg stellen. (Oder hatte ich es einfach nur zu gut gemeint?)

Aber dennoch: ich habe am Wochenende eine sehr gut sitzende Hose fabriziert. Sie sitzt so, wie ich das gerne hätte und so traue ich mich, bald endlich den guten Stoff anzuschneiden.

Aber von Anfang: Nach der ersten etwas enüchternden Anprobe der neuen Hose, habe ich - mal wieder - ein bisschen recherchiert und bin beim Hobbyschneiderinnen24-Forum gelandet. Ich fand einen Thread, der ähnliche Falten wie bei mir behandelte und ähnliche Lösungsversuche der Marke 'Trial and Error' zeigte.

Hier noch mal die Ausgangssituation: diagonale Falten, die von der äußeren Beinnaht  nach oben reichen, die aber nicht durch Mehrweite an der inneren Beinnaht behoben werden:



Auf Seite 36 des Threads (oder so) fand ich dann ein Lösungsversucht, der sich mit meiner Beobachtung deckte, dass die Falten verschwinden, wenn ich die seitliche hintere Beinnaht nach unten schiebe: die hohe Hüfte. Das Verhältnis zwischen seitlicher Länge und hinterer Mitte stimmt nicht, da die Hüfte mehr Länge erfordert.Wäre ich im Leben nicht drauf gekommen, dass es das sein könnte, da meine Hüften an der vollsten Stelle ja eher flach sind. Aber klingt irgendwie auch logisch. Irgendwo muss ja die große Differenz zwischen Taille und Hüftumfang ja erst mal herkommen. Und wenn nicht an der Hüfte, dann wohl irgendwo obendrüber... ;) Dass sich die Falten vorne nicht zeigten, ließe sich wahrscheinlich dadurch erklären, dass ich die vordere Mitte ja eh schon abgesenkt hatte.

Die notwendigen Änderungen am Schnittmuster oder der fertigen Hose werden übrigens im Burda-Nähbuch sehr schön gezeigt. Aber man muss die Notwendigkeit dieser Anpasssung erstmal identifizieren, da bei Burda die Symptome der hohen Hüfte nach außen drehende Bügelfalten sind. Das fiel mir völlig durch's Raster.

Also, was war an meiner genähten Hose bei der hohen Hüfte noch zu retten? Wir rekapitulieren: Die hintere Mitte (die ich durch Vertiefen der Schrittnaht um 1,5 cm wieder etwas angehoben hatte) saß durch das Flat Seat Adjustment ja sowieso tiefer, ebenso die vordere Mitte, um die etwas zu bauschige vordere Schrittlänge zu bändigen. An der fertigen Hose habe ich den Bund dann einfach innerhalb der Nahtzugabe 1 cm weiter oben angesetzt, und so die schrägen Falten von der Seitennaht endlich weggekriegt. Yes.

Am Schnittmuster wird die fehlende Länge übrigens durch einen keilförmigen Einschub an der Seitennaht ausgeglichen und ggf. etwas Weite zugegeben.

Allerdings: Wenn ich die Beine zusammengestellt habe, waren wieder welche da. X-Beine habe ich ja eigentlich keine. Aber: Mir fiel die Laufbandanalyse wieder ein, die ich von ein paar Jahren im Laufgeschäft habe machen lassen. Auf dem Video war sehr deutlich zu erkennen, dass sich nicht nur bei den Fußknöcheln eine Überpronation zeigt, sondern meine Beine auch im Kniebereich nach innen knicken. Deckt sich auch mit der Beobachtung, dass Bügelfalten bei mir schräg zur Mitte fallen. (Denke ich mal. Ich krieg' hier echt noch 'nen Knoten ins Hirn!)

Im Forum wurde empfohlen, an der fertigen Hose die Mitte des Beines zu verlagern, indem man Weite an der Innennaht durch Auslassen der NZ zugibt und dafür an der außeren Beinnaht wegnimmt. So wird auch die ursprüngliche Weite beihalten. Palmer/Pletsch (Pants for real people) schreiben, man solle einfach auf der gesamten Länge der inneren Beinnaht zugeben. Dadurch wird aber das gesamte Bein einfach nur weiter, was ich für den falschen Ansatz halte. Dann kann ich mir auch einfach einen weiten Sack überstülpen, der macht dann auch keine Falten. *augenroll*

In diesem Beitrag (wieder mal von Stiches and Seams) wird eine Änderung des Schnittmusters vorgestellt, die für mich sinnvoll erscheint, da ich a) keine "richtigen" X-Beine habe und es gleichzeitig die Problematik der "full inner tighs" addressiert. Das werde ich also zusätzlich zur Anpassung der hohen Hüfte nächstes Wochenende versuchen und berichten.Und dann kann ich hoffentlich Tom Hanks wieder öffentlich und völlig zurecht um's Feuer tanzen lassen. ;) Insgesamt ist es aber auch beruhigend zu wissen, dass man mit großzügiger Nahtzugabe so ziemlich alles auch noch an der fertigen Hose ändern kann. Auch ein 'Flat Seat Adjustment', sollte es denn doch in leichterer Ausprägung notwendig sein.

Ach ja, und hier mal ein Bild der neuen Hose:



Ich stehe natürlich auf keinem, der gemachten Bilder richtig gerade, oder so, dass man was gescheit erkennen könnte, aber ich bin sehr angetan. Nach zwei Tagen Tragen bin ich immer noch sehr verliebt und brauche unbedingt mehr. Aber mehr zum Modell (und Tragefotos der gestreiften Bluse) dann morgen beim MeMadeMittwoch... ;)

Und sonst so?


Nachdem die Hose fertig war, habe ich mich dann an das Nähen der bereits zugeschnittenen hellen Bluse gemacht. Der Stoff franst wie die Hölle, er lässt sich nicht gescheit in Form bügeln und ist außerdem einen Tacken zu dick für eine Bluse. Außerdem sieht er getragen eher Beige als Cremeweiß aus. Rentnerbeige. Örgs. Der leichte Retro-Charakter potenziert das Seniorenhafte auch noch irgendwie.

Die Blendenspitze/Knopfleiste sieht in echt viel schöner aus...muss aber aufgrund ihrer Bügelresistenz echt noch mal abgesteppt werden...


Ich hatte die Bluse ja zu den Hüften hin eine Nummer größer gradiert, aber das wäre allein schon durch die ausgestellte Form und die geraffte Mehrweite unterhalb der Passe gar nicht notwendig gewesen. Da sie aber auch im Brustbereich mehr wie ein 60er-Jahre Umstandskleidungs-Babydoll daherkommt, werde ich sie - wie schon die verlängerten Ärmel - an den Seiten noch mal enger nähen. Aber die Bluse näht sich vergleichsweise flott. Immerhin etwas...

Insgesamt ist die Bluse aber eher sowas wie die "Episode 1" unter den geplanten SSA-Stücken: Von allen Star Wars-Filmen ist Episode 1 - nicht zuletzt wegen Jar Jar Binks -  mit Abstand der schwächste und irgendwie ist man immer froh, wenn er vorbei ist. Aber einfach auslassen, geht auch nicht, denn für die Entwicklung vom kleinen, unschuldigen Anakin zum dunklen Sith-Lord ist er schon wichtig. Also durchziehen und hoffen, dass es schnell vorbei ist...

A propos vorbei: Wir nähern uns beim Spring Style Along mit großen Schritten dem Finale. Wenn ich nächste Wochenende die Hose und die Bluse fertig bekomme, liege ich so schlecht gar nicht in der Zeit. Denn auch Yuki macht Fortschritte und ich bin mit dem zweiten Vorderteil fast fertig:



11. Mai 2015

Spring Style Along - Being on the needle I

Wieder eine Woche rum und diese Woche geht der Spring Style Along bei Alex weiter.

Puh. Also irgendwie bin ich ganz schön Along-müde...Dabei ist es nicht nur das wöchentliche Posten, das mir schwer fällt, sondern vor allem irgendwie diese Eingeschränktheit, was die Projekte angeht. Wenn auch selbstauferlegt. Irgendwie leide ich - neben chronischer Stoffverarmungsangst - auch an Schnittmuster-ADHS. Ständig werden die aktuellen Nähpläne durch viel tollere Projektideen und Das-muss-ich-jetzt-unbedingt-jetzt-gleich-sofort-haben-Gefühle abgelöst. Ich sag' nur Jumpsuit und bodenlanges, schwarzes Anna-Dress...

Gestern Morgen konnte ich - mal abgesehen vom Zuschnitt der hellen Bluse - noch absolut gar nichts meiner geplanten Projekte vorweisen. Und das Nähen eben jener Bluse wird angesichts der Stoffwahl kein Spaß, das merkte ich schon beim zuschneiden. Schlüpfriges Scheißerchen. Dementsprechend liegen die Teile noch in einer Kiste und waren, dass ich mich ihrer erbarme...

Die meiste Zeit habe ich bislang mit meinen Hosen-Studien verbracht und kann jetzt immerhin eine gut sitzende Hose vorweisen - die zwar farblich auch passt, aber eben nicht die geplante ist. Ich scheue noch immer davor zurück, das gute Stöffchen anzuschneiden und teste meine notwendigen Anpassungen lieber noch mal an einem anderen Stoff und einem anderen Modell.

Die neue Hose kann ich euch aber leider auch nicht zeigen. Da mein liebster Herr Galoppo seit Samstag in Washington ist und erst am Mittwochmorgen wieder kommt. Schnüff. Ist das doof so allein zu Hause.

Das sonntägliche Mit-der-Zeitung-im-Bett-Lümmeln ließ ich in Ermangelung guter Gesellschaft und zugunsten eines Nähmarathons aus und machte mich an die schwarz-weiß gestreifte Bluse, Burda 130 aus 5/2014. Genäht ist sie eigentlich recht flott, es fehlen nur noch die Verschlussblenden an den langen Binde-Vorderteilen, die Knopflöcher und Knöpfe. Ohne die Ärmel anprobiert kam erst mal ziemliches Kittelschürzen-Feeling auf, aber mit Ärmeln gefällt sie mir ausgesprochen gut. Beetlejuice, Beetlejuice, Beetlejuice!

Schön, wie meine Assistentin Mathilde, a. k. a. die überdimensionale Schmuckständerin, gleich wieder die richtigen Accessoires reicht...

Was wirklich viel Zeit verschlang war der Zuschnitt, da ich wirklich jedes Teil einzeln zugeschnitten habe und der Stoff auch eher schlüpfrig war. Belohnt wurde ich aber mit dem ultimativen 'pattern matching porn':


Geil, oder? Also ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit mir. :)

Ach ja, und wort-wörtlich 'on the needle ' ist außerdem Yuki. Das Rückenteil ist fertig, gerade stricke ich die Tasche des ersten Vorderteils ein. (Foto folgt)

Dass das bis zur Abschlusspräsentation fertig wird, wage ich sehr zu bezweifeln, aber so geht's mir eigentlich mit der gesamten Kollektion. Und das ist auch okay so. Sag' ich mir jetzt, nachdem ich mich ein paar Tage lang wie ein Versager gefühlt habe. Wie doof ist das denn? Wenn ich lieber was anderes als das ursprünglich geplante nähen will, dann ist das in Ordnung. Vielleicht habe ich mir auch nicht genug Gedanken zu meinen Kleiderschrank-Bedürfnissen gemacht. Oder ich erkenne Bedürfnisse einfach sehr schnell. Who knows. Ich will mich nicht stressen, denn das ist schließlich mein Hobby und das soll Spaß machen und nicht Frusten. Und der Typ "Unkombinierbares Einzelstück" war ich eh noch nie. Alles wird gut! :)

5. Mai 2015

Spring Style Along: It's all about glitter...

...oder auch nicht. Von den Accessoires bin ich noch meilenweit entfernt. Aber dazu später mehr.
Bislang halten mich meine Hosenstudien - hier der erste Teil der Irrfahrt - weiter auf Trab.


Letzte Woche war ich ja noch der Meinung, das mit der Hose endlich hingekriegt zu haben. Nur leider hatte sich der kleine Tom Hanks in mir zu früh gefreut.


Meine im vorangegangen Post beschriebenen Maßnahmen zu  Ändern von Burda-Schnitten habe ich am Feiertagsfreitag in aller Herrgottsfrühe getestet. Funktionierte so nicht. Hmpf. Okay, dann machen wir doch mit dem Patrones Schnitt weiter. Herr Galoppo sollte nach dem Frühstück dann immerhin Bilder von dieser - vermeintlich - gut sitzenden Hose machen. Und dann die Ernüchterung:




Nach zwei Tagen Tragen hatte sich die Hose wie bereits erwartet geweitet - und meine alten Freunde die Falten waren wieder da. -.- (Im ersten Moment dachte ich, das sei zu eng an der hinteren inneren Beinnaht. Aber das ist eigentlich nicht die Lösung. Doch dazu später mehr...)


Also auch nicht der Patrones Schnitt. Okay, dann doch zurück zum Burda-Muslin. Ich stand ein wenig ratlos davor. Zog mal hier, mal da. Zeichnete die Teile ohne ausgeprägte seitliche Hüftrundung neu und gab an der inneren Beinnaht ordentlich Weite zu. (Vielleicht ein bisschen zu viel sogar, aber lieber zu viel als zu wenig. Wegnehmen kann man ja immer noch.) Aber die Falten von der Seite blieben.


Beim Googeln zum Thema 'full inner thighs' stieß ich dabei auf diesen Beitrag. Und beim Betrachten der Bilder und Rumgezuppel vorm Spiegel fiel irgendwann der Groschen: Die innere Beinnaht ist einfach zu lang im Verhältnis zur seitlichen Naht! Also habe ich wie bei dieser Methode beschrieben eine gleichmäßige Querfalte gesteckt. (Das hatte sie in einem anderen Beitrag verlinkt, den finde ich jetzt nur nicht mehr...)


An der Probehose sah das auch gut aus:




Also übertrug ich die Änderung auf das Schnittmuster und Schnitt einen guten Stoff zu. Das Ergebnis: Änderte gar nichts. Seltsam aber irgendwie auch logisch. Aber ich fische hier ja bekanntlich im Trüben. Trial and Error. Narf!


Stattdessen nahm ich jetzt die Länge nur von der hinteren inneren Beinnaht durch Einschnitt und Übereinanderschieben um etwa 2,5 cm direkt unter dem Schritt:








Da ich die Änderung am bereits zugeschnittenen Hosenteil durchführte, wurden lediglich die Bundansatznaht und die Schrittnaht weiter nach unten gelegt. Natürlich wurde unten auch der Saum kürzer aber die Hose ist sowieso zu lang, das störte also erst mal nicht. Am Schnitteil muss die Länge am Saum dann wieder zugegeben werden.


Die Situation nach dieser Änderung war schon sehr viel besser. Aber es waren immer noch zu viele Falten unter dem Po, wie sie auch schon Sandra beklagte. Also habe ich mich noch mal eingehender mit dem 'Flat Seat Adjustment' auseinander gesetzt. Nach vielem Bebrüten der Schnittteile fiel mir dann auch endlich mal auf, dass das von Ann Rowley beschriebene Verfahren genau das gleiche bewirkt, wie die Änderungen, die Julia beschreibt:
  • die hintere Mittelnaht wird aufgerichtet
  • die Schrittnaht rechtwinkliger und vertieft
  • die hintere Mittelnaht am Bundansatz verkürzt

Und das kann ich mit entsprechender Nahtzugabe in der hinteren Mitte auch ohne Anpassung des Schnittteils noch bewerkstelligen. Heureka!


Aber brauche ich dann überhaupt noch die Verkürzung der inneren Beinnaht oder wird diese durch das Flat Seat Adjustment gar überfällig? Mache ich das überhaupt richtig?









Ich werde am Wochenende die Änderungen an den Schnitteilen im richtigen Maßstab noch mal separat ausprobieren und übereinander legen. Dann kann ich das hoffentlich besser abschätzen.
Sollte es doch notwendig sein, würde es dann Sinn machen, die Differenz zwischen innerer und äußerer hintere Beinnaht gleichmäßig auf beide Nähte verteilen, indem ich das Schnittteil komplett durchschneide und die Mitte mein Rotationsfixpunkt wird...?!







Ist das alles kompliziert...aber ich habe das Gefühl, so langsam lichtet sich der Nebel...

Sehr geholfen hat übrigens Herr Galoppos Aussage, dass das mein Hobby sei und mich nicht frustrieren solle. Und dass das einfach eine Challenge ist, die ich angehe...großer Philosoph, der Herr Galoppo. Aber er hat ja nicht Unrecht...

Aber jetzt noch mal zur Accessoire-Frage:

Wirklich drum gekümmert habe ich mich bislang nicht. Ich besitze einen ganze Stall voll Halstüchern in allen erdenklichen Farben und Mustern. Zu viele, um sie zu fotografieren. Aber irgendwas, das passt, findet sich immer.



Schmuck trage ich nicht wirklich viel. Armbanduhren besitze ich, aber ich mag einfach das Gefühl am Handgelenk nicht. Spätestens, wenn ich am Schreibtisch sitze, ziehe ich sie aus. Mit Armbändern ist es genauso.



Was ich trage sind Ohrringe und Ringe. Aber auch das nicht immer.






Das hier sind meine drei Lieblingsringe. Ihr merkt schon: ich liebe Perlenschmuck. Die beiden Clusterringe sind von QxC. Den grauen habe ich schon bestimmt 8 Jahre. Den anderen habe ich letztes Jahr für 12 Euro inkl. Versand beim Online-Auktionshaus geschossen. Ein Glücksgriff, dass es auch gerade noch die passende Größe war. Wobei ich ihn auch hätte umarbeiten lassen. Ich habe so lange danach gesucht. Damals, als es den Ring zu kaufen gab, waren mir Rosé-Töne viel zu lieblich, aber jetzt mag ich sie unheimlich gerne. Nudefarben passen einfach immer irgendwie.



An den Ohren mag ich es - wenn - dann auch eher auffällig. Die beiden Ohringe sind vom Klamotten-Schweden und auch schon locker 6 Jahre alt. Aber sie passen zu fast allem.Und wie man sieht: Wenn mir was gefällt, kaufe ich es meist gleich in mehreren Farben...



Und damit reihe ich mich heute wieder beim wunderbaren Spring Style Along ein - diese Woche bei Marja Katz!

1. Mai 2015

SSA - On the verge of sewing oder die Hose, die ich zweimal nähte...

*Hier fehlen noch zwei Fotos...die werden heute Abend irgendwann noch nachgeliefert...*

On the verge of sewing. In guter alter Fettes Brot Manier kann ich hier ein schmissiges 'Jein' in die Runde schmettern. Ich habe mich letztes Wochenende (mal wieder) am Hosenthema ausgetobt und habe endlich, endlich, endlich nach einem finalen Tobsuchtsanfall eine gut passende Hose genäht. Zwar blau, aber nicht die bereits angeteaserte...

Aber mal von vorne: Prelude

Ich hatte letzten Juli eine Hose nach diesem Schnitt in Größe 42 genäht. Das ist die Rockgröße, die bei Burda immer passt, warum also nicht auch für Hosen.

Die erste, nicht angepasste Hose aus einer schönen feinen schwarzen BW-Gabardine ist der heimliche und viel getragene Star meines Kleiderschranks. Der Stoff weitete sich, war vielleicht vorne im Schritt etwas zu geräumig aber es zog keine seltsamen Falten und es gab auch nur eine minimale Arsch-frisst-Hose-Situation. Daraufhin habe ich die hintere Schrittlänge durch einen Keilförmigen Einschub verlängert: In der Mitte im rechten Winkel zum Fadenlauf bis zur Seitennaht einschneiden und dann die Zugabe in der hinteren Mitte bis zur Seitennaht verlaufen lassen (Im Englischen heißt es dann 'tapering to nothing at the sides').


Bei dieser Anpassung ist mir - wie ich aus heutiger Sicht weiß - ein kapitaler Fehler unterlaufen:


Der Umfang bleibt zwar der gleiche, verschiebt sich aber von der hinteren Mitte zur Seitennaht. Um das zu vermeiden muss man also die ursprünglichen Nahtlinien an der Seite und der hinteren Mitte wieder einzeichnen.

Die - nach der verpfuschten Anpassung - genähte Hose war aus Jeans, das war leider beim Denim ein Griff ins Klo und wurde nur 2-3 Mal getragen. Also auch keine wirkliche Ahnung, ob die jetzt gut oder schlecht saß. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass eine leichte Vertiefung der Schrittnaht auch ohne anpassen des Schnitts wohl ausgereicht hätte. Aber so wähnte ich mich im Glauben, einen gut angepassten Hosenschnitt zu haben...

Dann nähte ich in diesem Frühling nach dem gleichen Schnitt eine dritte Hose und war zufrieden. Bis ich Fotos für den MMM machte und das sah:



Ätzende Falten, die Richtung Poritze kriechen und mein Po, den ich bis dato eigentlich ganz ansehnlich (groß, ja, aber ansehnlich!) fand, ähnelte mehr einem flachen Brötchen.

Dann nähte ich Probehose um Probehose. Vergrub mich in 'Pants for real People'. Durchsuchte wirklich das gesamte Internet nach Lösungen. Und wurde nur mäßig fündig. Aber das war ja auch schon im Rahmen des von Meike organisierten HosenHerbst zu erkennen, dass Hosenanpassungen für die meisten doch die totale Blackbox sind. Außerdem hatte ich bei der Dreidimensionalität einen gewaltigen Knoten im Hirn. Zwischendurch schmiss ich mehrmals hin. Und dann erinnerte ich mich an den bereits verlinkten Beitrag von Sewing Galaxy - und war der Lösung - wie hier beschrieben - schon sehr viel näher.


Und dann setzte der Wahnsinn ein...

Anstatt mit dem guten Patrones-Probemodell weiterzumachen, pauste ich einen anderen Patrones-Hosenschnitt ab und verglich noch nicht mal die beiden SM-Teile miteinander. (Wie kann ich nur???)  Schlussendlich stellte sich heraus, dass der Schritt zwar anpassbar wäre, die Hose aber einen so lächerlich niedrigen Bund hat, dass ich beim Sitzen mit dem halben Hintern im Freien stünde. Also die ultimative Arschgeweih-and more-Gedächtnishose. You name it! Grundsätzlich ist das aber ein wichtiger Tipp rund ums Thema Hose: Setzt euch mit eurem Probemodell hin! Es bringt gar nichts, alle Falten irgendwie weg zu korrigieren, denn Hinsetzen wird dann nur unter Schmerzen oder geplatzten Nähten möglich sein. Oder aber, die Hose wird beim Setzen nach unten gezogen und ihr steht im Freien.

Eigentlich wollte ich also letzten Samstag die erste SSA-Bluse nähen. Stattdessen war ich den ganzen Tag damit beschäftigt die erste Patrones-Hose anzupassen. Und am Ende des Tages, war ich am Ziel. Unfassbar. Kennt ihr die Szene aus "Cast Away" wo der gestrandete Tom Hanks vor seinem ersten selbst gelegten Lagerfeuer steht und halbnackt mit ausgebreiteten Armen brüllt "Seht euch nur mein Werk an!" ?! Jetzt wisst ihr, wie's in meinem Kopf zugeht... ;)

Sonntag habe ich dann in Rekordzeit eine Hose genäht. Zum allerersten Mal ging alles wie Butter - sogar die Fly-Front! Da ich von der Viscose-Gabardine weiß, dass sie sehr zum Leiern neigt, habe ich an den Seitennähten knapp 2 cm wegnehmen müssen. Jetzt sind die Tascheneingriffe zwar etwas eng, aber das tut der Hose ja eigentlich eh nicht so gut. Beim nächsten Mal dann.

Jetzt könnte ich mich ja eigentlich zurücklehnen und sagen: Hosenschnitt ist vorhanden und den mcgyvere ich mir dann nach Bedarf einfach zurecht. Eigentlich will ich aber ja Burda-Schnitte anpassen und nähen können, denn die nähe ich einfach am liebsten. (So jetzt wäre das auch raus...)

Also habe ich den optimierten Patrones-Schnitt mit den Burda-Schnitteilen verglichen.

Ich habe einen Hüftumfang von 109 cm an der dicksten fülligsten Stelle gemessen. Laut Burda ist das eine 46, bei Patrones eine spanische 48, a.k.a eine deutsche 46.

Das hier ist der schlecht angepasste Burda-Schnitt in Größe 42. Die roten Linien zeigen an, wo die Nahtlinien des unveränderten Schnittmusters verlaufen würden:




Und hier dann jeweils die Burdaschnittteile über den Patrones-Schnittteilen. Ich war wirklich sehr erstaunt, dass das ja so viel Unterschied eigentlich nicht ist:





Zur Erinnerung: das Patrones-Schnittmuster musste ich an den Seiten um 2 cm enger nähen. In Anbetracht meiner Stoffwahl kann am Schnittmuster sicher ein Zentimeter weg.

Was muss ich an Burda-Schnittmustern also ändern?
  • An den inneren Beinnähten fehlt Weite. Deshalb ziehen die Beinnähte nach innen und es ergibt die Zugfalten. An den vorderen und hinteren inneren Beinnähten muss ich also 1-1,5 cm Weite zugeben.
  • Im Schritt sollte ich Größe 44 zuschneiden, Außennähte in 42, im Hüftbereich ggf. 44.
  • In der hinteren Mitte zur Sicherheit auf jeder Seite 3 cm zum Auslassen zugeben
  • Hintere Schrittnaht an der fertigen Hose noch etwas vertiefen.
  • Vordere Schrittlänge um 2 cm verkürzen. Ähnliches Prinzip, wie das Verlängern hinten, allerdings werden die Schnitteile überlappt:



Meine Probemodelle habe ich übrigens alle aus unelastischem Nessel genäht. Ich glaube, so erhält man am ehesten valide Ergebnisse, die von der unterschiedlichen Elastizität der endgültigen Stoffe unabhängig sind.

Puh. Ich finde ja allein schon die Begrifflichkeiten sehr verwirrend. Schritttiefe, Schrittlänge. Da bewege ich mich irgendwie auch mehr auf englischsprachigen Blogs, was es sehr schwer macht, das ins deutsche zu übersetzen. 'Pants for real People' zeigt immerhin sehr gut, welche Falten auf welches Problem hindeutet. Das Buch kann ich wirklich empfehlen.

Zu guter Letzt noch eine kleine Linksammlung mit Beiträgen, die mir auf dem Weg zu passenden Hose weitergeholfen haben:

'Most common pants alterations' bei A fashionable stich
Discussing at length, crotch length, ebenda
Die Schrittproblematik, ebenda
Thurlow Pants Muslin Fitting bei Lladybird
Hosenanpassung bei Sewing Galaxy
Patrones Schnittbesprechung, ebenda
Hosen-Odyssee bei Zufall wenn's klappt (Lustigerweise hatte ich haargenau zur gleichen Zeit Urlaub und machte meine ersten Hosen-Anpassungsgehversuche)

Ob ich die semi-fertige Hose des SSA noch retten kann wird sich zeigen. Stoff für neue hintere Hosenbeine sollte da sein. Wobei der Stoff einen so schönen Fall hat, dass er für eine schmal geschnittenen Hose fast zu schade ist und nach einem ausgestellten Modell wie dem obigen ruft. Aber eigentlich ist mir auch vorne der Bund zu tief. Mal schauen. Das blöde ist nur: Jetzt wo ich eine gut sitzende Hose habe - und den Schlüssel zum Erfolg fast schon in Händen halte - möchte ich direkt noch viel mehr Hosen produzieren. Grau mit kleinen Details in Fuchsia z. B. Oder endlich die rote Hose, nachdem die ja jetzt zum Glück nicht mehr so arg angesagt sind, und ich keine Angst mehr haben muss bei Look at my fucking red trousers zu landen. (Hach ja, britischer Humor!)

Wie wird Frau Cut and Baste sich entscheiden? Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein!

To be continued...



30. April 2015

Wenn einer eine Reise tut: Rom 2015: Tag II

Wir werden um 7.30 Uhr von David Bowies Heroes aus dem Schlaf gerissen sanft geweckt. Zur Zeit habe ich a) eine David-Bowie-Phase, nachdem vor nicht allzu langer Zeit eine Doku über ihn auf ARTE lief b) ich aktuell eh nicht so viel Musik auf dem Handy habe und mir das c) noch von allen Titeln am ruhigsten erschien. Okay, Space Oddity hätte es auch getan aber Heroes gefällt mir einfach besser... Nach dem recht übersichtlichen Frühstück machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur Piazza del Popolo.

Kulinarisch-historischer Stadtbummel


Piazza de Popolo...mit Obelisk.   


10.00 Uhr, Piazza del Popolo.  Heute treffen wir Annett. Annett ist die ehemalige Nachbarin von Herrn Galoppo, die inzwischen seit mehr als 8 Jahren mit ihrem römischen Zahnarzt glücklich in Italiens Hauptstadt lebt. Nachdem sie lange am Colosseo gearbeitet hat, ist sie jetzt seit kurzem als offizielle selbständig Tour Guide tätig. Wir haben für den ersten Tag den kulinarisch-historischen Stadtbummel bei ihr gebucht.

Wir beginnen unseren Rundgang oberhalb der Piazza und laufen zur Spanischen Treppe. Von dort oben genießt man eine herrliche Aussicht auf Rom.

Unseren Spaziergang spickt Annett immer wieder mit interessanten Details und historischen Fakten. So heißt die Spanische Treppe eigentlich Scalinata di Trinità dei Monti. Da aber die spanische Botschaft dort ihren Sitz hatte und der Platz am Fuße der Treppe spanisches Hoheitsgebiet war, hat sich die andere Bezeichnung schlussendlich durchgesetzt. Über die Via die Condotti mit ihren zahlreichen Highend-Designer-Läden und die Via del Corso (für den schmaleren) Geldbeutel geht es weiter Richtung Piazza Navona. Unterwegs werfen wir einen Blick in die eine oder andere Kirche oder entdecken wunderschöne kleine Hinterhöfe.

Kein Hinterhof sondern ein Kreuzgang.
Hadrianeum...oder was davon übrig blieb...heute die Börse.

Annett ist voller Begeisterung für die Stadt im allgemeinen und insgesamt ist die Führung sehr kurzweilig, denn man lernt sehr viel, ohne dass man das Gefühl hat, in einer Geschi-Stunde zu sitzen. Und man merkt sehr deutlich, dass es ihr die alten Römer besonders angetan haben. Zum Pantheon, dem Hadrianeum, der Marc-Aurel-Säule, der Engelsburg - die ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian erbaut wurde, und erst später durch zahlreiche Päpste zur Burg umgebaut wurde - erfahren wir besonders viel.

Pantheon von außen (man beachte den für Rom obligatorischen Obilisk)...
...und von innen....
...und mit Blick auf die offene Kuppel.

Annetts Beschreibungen sind so realitätsnah, dass man sich fast ein wenig in die Zeit zurückversetzt fühlt. Ich erkenne, dass ich von den Römern vom Geschichtsunterricht in der 7. Klasse nicht so viel zurückbehalten habe. (Vom Romanistik-Studium und 11 Monaten Latein inklusive Latinumsprüfung an der Uni ganz zu schweigen...aber das Französische hat sich ja eh aus dem Vulgärlatein entwickelt...*sichrausred*) Da hatten es mir die Griechen mehr angetan. Aber wie Annett schon so schön sagte: "Die Römer haben ja vieles einfach von den Griechen geklaut und einfach umbenannt".

Piazza Navona...und was versteckt sich da weiter hinten? Riiiiichtiiiig, ein Obelisk.

Aber der Stadtbummel wäre nicht historisch-kulinarisch, wenn wir uns nicht auch den lukullischen Seiten Roms zugewandt hätten. Kurz vor de Piazza Navona trinken wir einen caffé - wie der Espresso in Rom heißt - bei einem der besten Kaffees Rom.

Tazza d' Oro

So wie das die Römer pflegen: schnell, im Stehen an der Bar für 70 Cent. Ich habe selten einen so guten Espresso getrunken. Schwarz, stark, kein bisschen bitter und sehr cremig und fast schon leicht süß. Nach ein paar Erklärungen zur Fontana del Moro geht es weiter zum Mercato di Campo dè Fiori.

Marktstand auf dem Campo dei Fiori

Dort ist jeden Tag Markt und man kann neben frischem Obst und Gemüse auch Pasta in allen Varianten, Kräuter und Gewürzmischungen und natürlich verschiedenste Öle und Essige kaufen.

So langsam bekommen wir Hunger, wollen aber eigentlich nur eine Kleinigkeit essen. In einem kleinen Restaurant in einer Seitenstraße bestelle Annett Bruschette, eine gemischte Vorspeisenplatte mit Schinken, Salami und Käse und auf meinen besonderen Wunsch noch ein paar Supplí. Die wollte ich als Nahrungsmittelbeauftragte nämlich unbedingt kosten. Joah, die Kleinigkeit entpuppte sich dann als so reichhaltig und viel, dass wir abends dann auf ein üppiges Abendessen verzichtet haben. Was besonders auffällt ist die gute Qualität und Frische der Zutaten. Annett erklärt, dass die Italiener darauf auch besonders großen Wert legen und eigentlich ausschließlich heimische Produkte verwenden. Überhaupt besticht die Italienische Küche durch Einfachheit: Wenige Zutaten, einfach in der Zubereitung - dafür aber von bester Qualität. Und das sogar zu recht erschwinglichen Preisen. Dafür, dass Rom eine europäische Metropole ist, haben mich die Preise doch wirklich
überrascht - positiv!

Nach dem Mittagessen geht es weiter zum Largo di Torre Argentina mit der Area Sacra.

Area Sacra - ein El Dorado für herrenlose Katzen.

Hier befindet sich eine Ausgrabungsstätte römischer Tempel. In einem dieser Gebäude wurde Gaius Julius Caesar ermordet und Annett erklärt, was es in diesem Zusammenhang mit den Iden des März auf sich hat.

Eigentlich würde der Stadtbummel vor der Engelsburg enden, aber da wir die Vatikanischen Museen und den Petersdom für den nächsten Tag einplant haben, bringt uns Annett zurück zur Eisdiele mit den 150 Eissorten.

Hier könnte ich gut und gerne eine ganze Woche bleiben...

Okay, in der Auslage waren es jetzt nicht ganz so viele. Aber die Wahl fiel trotzdem nicht leicht, sodass wir in den Tagen darauf zu unserem Leidwesen noch mal wieder kommen mussten. So viel Eis und so wenig Zeit. Eisdielen in Rom funktionieren auch noch ein bisschen anders als bei uns: Erst kauft man sich ein Ticket für die Größe des Bechers/der Waffel am Schalter, dann geht's zur Auslage, um sich die Sorten auszusuchen.

Wie wir von Annett erfahren eignen sich die vielen Brunnen der Stadt nicht nur zum Händewaschen eisverklebter Finger, sie zeichnen sich auch durch eine hervorragende Trinkwasserqualität aus, da sie noch immer wie zu Zeiten der Römer von den Quellen aus den Bergen gespeist werden. Das Wasser kann - wenn nicht anders am Brunnen vermerkt - problemlos getrunken werden und so füllen wir unsere Wasserflaschen gerne auf.

Mit Laufschuhen getarnt als US-Bürger...
Da uns Annetts Führung so gut gefallen hat, vereinbaren wir noch eine zweite durchs Kolosseum und das Forum Romanum für den Donnerstag. Danach machen wir uns auf dem Weg zum Hotel. Wir gehen einen "kleinen" Umweg über die Via del Corso bzw. dem dort befindlichen GAP. Wenn man schon mal die Gelegenheit hat, sollte man sie auch nutzen...im Sale hüpfen dann zwei Hosen ins Körbchen, die auch noch perfekt zu meinen Spring Style Along Plänen passen.

Wir kommen zurück ins Hotel: W-LAN. Mit Entsetzen muss ich feststellen, dass seit dem frühen Morgen die Anmeldung für die Annäherung Süd in vollem Gang ist. Zut, alors! Da das W-LAN immer wieder aussetzt, schaffe ich es erst mal nicht, das Anmeldeformular auszudrucken und setze eine verzweifelte Mail an Alex ab. Kurz darauf geht es dann doch. Ich habe den genialen Einfall, dass Formular per Mail an die Rezeption zu schicken und mir ausdrucken zu lassen. Ich mache ein Foto und maile meine Anmeldung zurück. Puh. Jetzt heißt es abwarten und Daumendrücken, dass nicht schon alle Plätze belegt sind.

Abends haben wir immer noch keinen Hunger, und beschließen, in dem Bar/Restaurant mit dem Mittagstisch vom Vortag ein Panino zu essen. Lecker und gut. Und doch sättigender als gedacht...blurps!

Wer in Rom ist und auch eine tolle Reiseführerin in deutscher Sprache buchen möchte, der kann bei Annett unter www.deutsche-römerin.de anfragen. Noch ein paar Infos zum kulinarisch-historischen Stadtbummel gibt es auf Annetts Internetseite nachzulesen. Es gibt natürlich so etwas wie eine Standard-Route, aber wenn man besondere Wünsche hat, dann kann Annett diese auch in ihrem Rundgang berücksichtigen.