2. Februar 2015

Buchrezension:


The Sewtionary 
- The A-Z guide to 101  sewing techniques + definitions

Heute gibt's keine neue Kleidung zu sehen. Immer nur neue Klamotten vorstellen empfinde ich auf die Dauer etwas langweilig. (und bei den ganzen Sew- und Knit-Alongs weiß ich grad gar nicht, ob und wo ich mitmachen will oder werde...) Also, was nützliches muss her. Eine Buchrezension! Eigentlich wollte ich diese Rezension ja schon vor Weihnachten verfassen, um mich bei Frau Lotterfix zu verlinken. Aber die Zeit, das Weihnachtskleid, Geschenke...ich hab's einfach nicht geschafft. Aber pssst....Ostern ist ja auch nicht mehr lange hin! Ich bin ja selbst immer ganz schwach darin, meinen hyperaktiven Bestellfinger in Schach zu halten, und jetzt führe ich auch noch andere in Versuchung. Sehr unchristlich das. Aber um es kurz zu machen: das Buch ist einfach toll und deshalb - here we go!


Tasia St. Germaine: The Sewtionary - The A-Z guide to 101  sewing techniques + definitions




Einführung

Tasia von Sewaholic Patterns bzw. dem Sewaholic Blog sollte eigentlich jeder, die sich als Nähnerd bezeichnet, ein Begriff sein. Ihre Schnittmuster richten sich an - wie sie sagt - "pear shaped women", also Frauen mit ausgeprägten Hüften und Oberschenkel im Kontrast zu einer schmalen Taille und normaler Oberweite (hello me!). Ihr Designs mag ich sehr gerne, da sie sehr weiblich sind, dabei trotzdem sehr geradlinig und klar. Genäht habe ich bislang eine Probehose der Thurlow-Trousers. Öhm. Darüber breiten wir lieber den Mantel des Schweigens, denn die Passform bekam ich auch im dritten Anlauf nicht gebacken. Aber Hosen sind ja auch sowas wie die Königsdisziplin der Schnittanpassung. Von Hollyburn  gibt es immerhin ein vielversprechendes Nesselmodell wird gerade eine Version aus grauem Wollstoff genäht ist eine erste Version jetzt fertig und gefällt!. Also: More to come. Wer schon einmal ein Sewaholic-Schnittmuster von ihr genäht hat, wird wissen, dass die Schnittmuster alle sehr ordentlich gradiert und die Anleitungen wirklich idiotensicher und sehr klar formuliert sind. Außerdem finde ich die einzelnen Schnittmusterteile immer sehr raffiniert. (Zum Beispiel die Hüftpassentasche als ein einziges Schnitteil. Oder ist das generell normal für amerikanische/kanadische Schnittmuster?!)

Ich habe ja nie einen Nähkurs besucht und mir bisher alles autodidaktisch beigebracht. Allein in der gleichnamigen Rubrik auf ihrem Blog habe ich Unmengen von tollen Tipps und Techniken entdeckt. Als dann ihr Buch herauskam habe ich es sofort...erst mal nicht gekauft. "Du hast genug Nähbücher, in die du zu selten reinschaust und außerdem das Internet. Du brauchst nicht noch eins!" flüsterte die kleine Stimme in meinem Kopf mal ausnahmsweise. Bis zu Karen's Rezension. Danach war es binnen 5 Minuten bestellt und innerhalb weniger Tage bei mir. Und was soll ich sagen: Karen hat so recht! Es ist ein Buch für die fortgeschrittene Näherin. Es bietet 101 Techniken (plus Variationen davon), mit denen man seine Nähergebnisse noch mal drastisch verbessern kann.


Die harten Fakten:

Erschienen am 25. Juli 2014 bei Krause Publications, 256 Seiten, Spiralbindung.

Das Buch ist auf Englisch. Ob eine deutsche Übersetzung geplant ist, kann ich nicht sagen. Ich hab' bei Tasia mal nachgefragt: Es gibt wohl Überlegungen seitens des Verlags es in andere Sprachen übersetzen zu lassen, aber noch nichts konkretes. Sie könne aber noch mal nachfragen, ob es sich für den deutschen Markt nicht lohnen könne. Zur Zeit gibt es leider keine Pläne für eine deutsche Version. Schade. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Wer englischsprachige Nähblogs liest und auch mit englischen Schnittmustern klarkommt, sollte aber auch mit der englischen Version keine Probleme haben.

Das Buch ist erhältlich über Amazon für derzeit 22,99 Euro

(Notiz am Rande: das ist KEIN Affiliate-Link)


Aufbau:

Das Wortspiel im Titel lässt es bereits erahnen: The Sewtionary orientiert sich vom Aufbau her an einem klassischen Nachschlagewerk. Allein dadurch hebt es sich deutlich von vielen anderen Nähbüchern ab, die auf den ersten 30 Seiten erst mal die Grundlagen des Nähens erläutern. Hier nicht. Bei der Themenauswahl richtet sich das Sewtionary nicht an Näh-Novizen. Tasia geht mit ihrem Buch quasi auf die 'second base' und hilft Näherinnen, die schon gut nähen können, noch besser zu werden.

Im Buch werden 101 Techniken - auch mit Variationsmöglichkeiten - in der Art eines Lexikoneintrags vorgestellt. Jeder Eintrag ist nach einem festen Schema aufgebaut und behandelt vier wesentliche Aspekte:

  • What is it?
  • When do I use it?
  • Tips and notes
  • How to sew...


Tasia liefert also zunächst eine kurze Beschreibung der Technik, erläutert, bei welchen Kleidungsstücken sie eingesetzt wird und was es zusätzlich zu beachten gilt. Anschließend wird die Technik auf bis zu 3 Seiten ausführlich und reich bebildert erklärt. Hier muss ich auch die Qualität der Bilder sehr loben, die genau zeigen, worauf es ankommt. Ich denke, wir kennen alle schlechte Illustrationen oder unbrauchbare Fotos zu genüge...




Alle Techniken sind auf dem zweiseitigen Inhaltsverzeichnis am Anfang sehr übersichtlich und in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches erleichtert das Finden des richtigen Kapitels zusätzlich.

Die inneren Werte zählen: Der Inhalt

Die Themenauswahl finde ich persönlich ganz besonders toll, denn es handelt sich um Techniken oder Vorgehensweisen, die ich immer mal wieder nachschlagen muss (an dieser Stelle möchte ich ganz besonders das Paspelknopfloch, die Paspeltasche jeglicher Art und denn klassischen Hosenreißverschluss mit Schlitzbeleg grüßen!) oder eben die vielen Kleinigkeiten, die in Schnittmustern nur zu oft mit einem Satz abgehandelt werden. Wie nähe und befestige ich Gürtelschlaufen? Wie nähe ich Haken und Ösen optisch besonders schön an? Hier gibt es die Antwort! Und auch Antworten auf viele Fragen, die ich niemals stellte, da ich gar nicht wusste, dass ich es nicht weiß. (Aber ich bin ja auch nicht Platon...haha! ;) Oder kann jemand von euch aus dem Stehgreif erklären, was ein "bar tack" ist bzw. wie er genäht oder wo er alles eingesetzt wird?

Es empfiehlt sich daher unbedingt, das Buch einmal von vorne bis hinten durchzublättern, um die weißen Flecken auf der inneren Nähkenntnis-Landkarte auch erst mal als solche zu identifizieren. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass man es sich vor jedem neuen Projekt noch mal greifen und durchblättern sollte. Ich entdecke jedes Mal etwas neues und denke: "Ach, wie praktisch, das kann ich ja bei xyz anwenden!"




Wird für eine Technik eine weitere benötigt, die ebenfalls im Buch zu finden ist, findet man dort auch sofort den Querverweis mit Seitenzahl, wo die Technik genau erklärt wird. Ein umständliches Suchen im Inhaltsverzeichnis oder dem Stichwortregister entfällt.

Mein Fazit:

Oft sind es ja die kleinen Dinge, die einem selbst genähten Kleidungsstück zu einem professionellem Finish verhelfen. Ich habe aus diesem Buch schon sehr viel gelernt und meine Kleidungsstücke sehen dadurch noch sehr viel ordentlicher und hochwertiger aus. Es ist inzwischen mein liebstes Nähbuch und es liegt nicht nur immer im Nähzimmer, sondern wandert gelegentlich auch zur Bettlektüre auf den Nachttisch. Ich kann es jeder, die den nächsten Schritt gehen will, nur wärmstens ans Herz legen!

Wer noch mehr über des Inhalt des Sewtionary wissen will: Hier gibt es zusätzlich noch die gesammelten Links zu den englischsprachigen Reviews, die nach der Veröffentlichung als Blog-Lese-Tour online gingen: Sewtionary Blog Tour Details. Mit Tutorials, Interviews und noch mehr Bildern vom Inhalt.

Und ihr? Kanntet ihr das Sewtionary schon oder habt es womöglich schon daheim stehen? Und wenn nicht, wäre eine deutsche Version für euch interessant?

Liebe Grüße
Jay

1 Kommentar:

  1. Hallo Jay, schreib' doch einfach einen Kommentar mit auf meine Bücherseite und verlinke Dich dort! der Post ist zwar schon etwas älter, wird aber wohl immer mal wieder gelesen.
    LG, Frau Lotterfix

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