1. Mai 2015

SSA - On the verge of sewing oder die Hose, die ich zweimal nähte...

*Hier fehlen noch zwei Fotos...die werden heute Abend irgendwann noch nachgeliefert...*

On the verge of sewing. In guter alter Fettes Brot Manier kann ich hier ein schmissiges 'Jein' in die Runde schmettern. Ich habe mich letztes Wochenende (mal wieder) am Hosenthema ausgetobt und habe endlich, endlich, endlich nach einem finalen Tobsuchtsanfall eine gut passende Hose genäht. Zwar blau, aber nicht die bereits angeteaserte...

Aber mal von vorne: Prelude

Ich hatte letzten Juli eine Hose nach diesem Schnitt in Größe 42 genäht. Das ist die Rockgröße, die bei Burda immer passt, warum also nicht auch für Hosen.

Die erste, nicht angepasste Hose aus einer schönen feinen schwarzen BW-Gabardine ist der heimliche und viel getragene Star meines Kleiderschranks. Der Stoff weitete sich, war vielleicht vorne im Schritt etwas zu geräumig aber es zog keine seltsamen Falten und es gab auch nur eine minimale Arsch-frisst-Hose-Situation. Daraufhin habe ich die hintere Schrittlänge durch einen Keilförmigen Einschub verlängert: In der Mitte im rechten Winkel zum Fadenlauf bis zur Seitennaht einschneiden und dann die Zugabe in der hinteren Mitte bis zur Seitennaht verlaufen lassen (Im Englischen heißt es dann 'tapering to nothing at the sides').


Bei dieser Anpassung ist mir - wie ich aus heutiger Sicht weiß - ein kapitaler Fehler unterlaufen:


Der Umfang bleibt zwar der gleiche, verschiebt sich aber von der hinteren Mitte zur Seitennaht. Um das zu vermeiden muss man also die ursprünglichen Nahtlinien an der Seite und der hinteren Mitte wieder einzeichnen.

Die - nach der verpfuschten Anpassung - genähte Hose war aus Jeans, das war leider beim Denim ein Griff ins Klo und wurde nur 2-3 Mal getragen. Also auch keine wirkliche Ahnung, ob die jetzt gut oder schlecht saß. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass eine leichte Vertiefung der Schrittnaht auch ohne anpassen des Schnitts wohl ausgereicht hätte. Aber so wähnte ich mich im Glauben, einen gut angepassten Hosenschnitt zu haben...

Dann nähte ich in diesem Frühling nach dem gleichen Schnitt eine dritte Hose und war zufrieden. Bis ich Fotos für den MMM machte und das sah:



Ätzende Falten, die Richtung Poritze kriechen und mein Po, den ich bis dato eigentlich ganz ansehnlich (groß, ja, aber ansehnlich!) fand, ähnelte mehr einem flachen Brötchen.

Dann nähte ich Probehose um Probehose. Vergrub mich in 'Pants for real People'. Durchsuchte wirklich das gesamte Internet nach Lösungen. Und wurde nur mäßig fündig. Aber das war ja auch schon im Rahmen des von Meike organisierten HosenHerbst zu erkennen, dass Hosenanpassungen für die meisten doch die totale Blackbox sind. Außerdem hatte ich bei der Dreidimensionalität einen gewaltigen Knoten im Hirn. Zwischendurch schmiss ich mehrmals hin. Und dann erinnerte ich mich an den bereits verlinkten Beitrag von Sewing Galaxy - und war der Lösung - wie hier beschrieben - schon sehr viel näher.


Und dann setzte der Wahnsinn ein...

Anstatt mit dem guten Patrones-Probemodell weiterzumachen, pauste ich einen anderen Patrones-Hosenschnitt ab und verglich noch nicht mal die beiden SM-Teile miteinander. (Wie kann ich nur???)  Schlussendlich stellte sich heraus, dass der Schritt zwar anpassbar wäre, die Hose aber einen so lächerlich niedrigen Bund hat, dass ich beim Sitzen mit dem halben Hintern im Freien stünde. Also die ultimative Arschgeweih-and more-Gedächtnishose. You name it! Grundsätzlich ist das aber ein wichtiger Tipp rund ums Thema Hose: Setzt euch mit eurem Probemodell hin! Es bringt gar nichts, alle Falten irgendwie weg zu korrigieren, denn Hinsetzen wird dann nur unter Schmerzen oder geplatzten Nähten möglich sein. Oder aber, die Hose wird beim Setzen nach unten gezogen und ihr steht im Freien.

Eigentlich wollte ich also letzten Samstag die erste SSA-Bluse nähen. Stattdessen war ich den ganzen Tag damit beschäftigt die erste Patrones-Hose anzupassen. Und am Ende des Tages, war ich am Ziel. Unfassbar. Kennt ihr die Szene aus "Cast Away" wo der gestrandete Tom Hanks vor seinem ersten selbst gelegten Lagerfeuer steht und halbnackt mit ausgebreiteten Armen brüllt "Seht euch nur mein Werk an!" ?! Jetzt wisst ihr, wie's in meinem Kopf zugeht... ;)

Sonntag habe ich dann in Rekordzeit eine Hose genäht. Zum allerersten Mal ging alles wie Butter - sogar die Fly-Front! Da ich von der Viscose-Gabardine weiß, dass sie sehr zum Leiern neigt, habe ich an den Seitennähten knapp 2 cm wegnehmen müssen. Jetzt sind die Tascheneingriffe zwar etwas eng, aber das tut der Hose ja eigentlich eh nicht so gut. Beim nächsten Mal dann.

Jetzt könnte ich mich ja eigentlich zurücklehnen und sagen: Hosenschnitt ist vorhanden und den mcgyvere ich mir dann nach Bedarf einfach zurecht. Eigentlich will ich aber ja Burda-Schnitte anpassen und nähen können, denn die nähe ich einfach am liebsten. (So jetzt wäre das auch raus...)

Also habe ich den optimierten Patrones-Schnitt mit den Burda-Schnitteilen verglichen.

Ich habe einen Hüftumfang von 109 cm an der dicksten fülligsten Stelle gemessen. Laut Burda ist das eine 46, bei Patrones eine spanische 48, a.k.a eine deutsche 46.

Das hier ist der schlecht angepasste Burda-Schnitt in Größe 42. Die roten Linien zeigen an, wo die Nahtlinien des unveränderten Schnittmusters verlaufen würden:




Und hier dann jeweils die Burdaschnittteile über den Patrones-Schnittteilen. Ich war wirklich sehr erstaunt, dass das ja so viel Unterschied eigentlich nicht ist:





Zur Erinnerung: das Patrones-Schnittmuster musste ich an den Seiten um 2 cm enger nähen. In Anbetracht meiner Stoffwahl kann am Schnittmuster sicher ein Zentimeter weg.

Was muss ich an Burda-Schnittmustern also ändern?
  • An den inneren Beinnähten fehlt Weite. Deshalb ziehen die Beinnähte nach innen und es ergibt die Zugfalten. An den vorderen und hinteren inneren Beinnähten muss ich also 1-1,5 cm Weite zugeben.
  • Im Schritt sollte ich Größe 44 zuschneiden, Außennähte in 42, im Hüftbereich ggf. 44.
  • In der hinteren Mitte zur Sicherheit auf jeder Seite 3 cm zum Auslassen zugeben
  • Hintere Schrittnaht an der fertigen Hose noch etwas vertiefen.
  • Vordere Schrittlänge um 2 cm verkürzen. Ähnliches Prinzip, wie das Verlängern hinten, allerdings werden die Schnitteile überlappt:



Meine Probemodelle habe ich übrigens alle aus unelastischem Nessel genäht. Ich glaube, so erhält man am ehesten valide Ergebnisse, die von der unterschiedlichen Elastizität der endgültigen Stoffe unabhängig sind.

Puh. Ich finde ja allein schon die Begrifflichkeiten sehr verwirrend. Schritttiefe, Schrittlänge. Da bewege ich mich irgendwie auch mehr auf englischsprachigen Blogs, was es sehr schwer macht, das ins deutsche zu übersetzen. 'Pants for real People' zeigt immerhin sehr gut, welche Falten auf welches Problem hindeutet. Das Buch kann ich wirklich empfehlen.

Zu guter Letzt noch eine kleine Linksammlung mit Beiträgen, die mir auf dem Weg zu passenden Hose weitergeholfen haben:

'Most common pants alterations' bei A fashionable stich
Discussing at length, crotch length, ebenda
Die Schrittproblematik, ebenda
Thurlow Pants Muslin Fitting bei Lladybird
Hosenanpassung bei Sewing Galaxy
Patrones Schnittbesprechung, ebenda
Hosen-Odyssee bei Zufall wenn's klappt (Lustigerweise hatte ich haargenau zur gleichen Zeit Urlaub und machte meine ersten Hosen-Anpassungsgehversuche)

Ob ich die semi-fertige Hose des SSA noch retten kann wird sich zeigen. Stoff für neue hintere Hosenbeine sollte da sein. Wobei der Stoff einen so schönen Fall hat, dass er für eine schmal geschnittenen Hose fast zu schade ist und nach einem ausgestellten Modell wie dem obigen ruft. Aber eigentlich ist mir auch vorne der Bund zu tief. Mal schauen. Das blöde ist nur: Jetzt wo ich eine gut sitzende Hose habe - und den Schlüssel zum Erfolg fast schon in Händen halte - möchte ich direkt noch viel mehr Hosen produzieren. Grau mit kleinen Details in Fuchsia z. B. Oder endlich die rote Hose, nachdem die ja jetzt zum Glück nicht mehr so arg angesagt sind, und ich keine Angst mehr haben muss bei Look at my fucking red trousers zu landen. (Hach ja, britischer Humor!)

Wie wird Frau Cut and Baste sich entscheiden? Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein!

To be continued...



Kommentare:

  1. Hallo, sehr unterhaltsam deiner Hosen-Odyssee zu folgen! Ich fürchte mit dem Problem schlägt sich so ziemlich jeder rum, der anfängt Hosen zu nähen. Auch wenn mir sonst Burda-Schnitte super passen, die Hosen haben an mir einen furchtbaren Sitz. Das liegt bei mir auch daran, dass die vordere Schrittlänge recht tief ist. Die Schnitte von Knipmode finde ich bis jetzt am besten, die sitzen bei mir einwandfrei und ich muss nur hinten etwas am Hohlkreuz rausnehmen. An Patrones habe ich mich noch nicht herangetraut, da ich finde, dass deren Schnitte eine reine Achterbahn sind, mal super passend und dann wieder gar nicht. Ich wünsche dir weiter viel Erfolg mit deinem perfekten Hosenschnitt!

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Hallo Julia, vielen Dank für deinen Kommentar! :)

      Also das Problem mit der vorderen Schrittlänge bei Burda kriege ich ganz gut hin. Am Vorderteil muss ich wirklich nur minimal ändern. Aber hinten...oi!

      Bei den Knip-Schnitten hat mir bei den deutschen Heften bislang noch nichts so 100 % gefallen, dass ich es gerne nachnähen würde. Aber wenn ich beim Hosennähen so langsam durchsteige, teste ich die mal. Ich hab' zwar' auch ein Hohlkreuz, würde aber nicht sagen, dass es sich groß auf den Sitz meiner Hosen auswirkt. Oder aber, ich hab das bislang einfach nur nicht erkannt, wer weiß... ;)

      Liebe Grüße
      Julia

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  2. Hosen !!! Ein Thema für sich. Burda sitzt meistens komisch bei mir und ich muss sehr viel anpassen, Patrones habe ich noch nicht probiert. Die besten Ergebnisse habe ich bis jetzt mit Ottobre gehabt. Inzwischen schneide ich Hosen immer mit deutlich mehr Nahtzugabe zu, um Spielraum für die Änderungen zu haben. Ich habe mir durch falsche Stoffwahl auch schon so einiges versaut, Hosen die wachsen und nach einem halben Tag in den Kniekehlen sitzen oder zu schmale Hosen aus Stoff der nicht einen Hauch nachgibt und die Blutzufuhr deutlich einschränkt. Wenn ich jemals den perfekten Stoff und Schnitt für Hosen für mich finde, werde ich eine einen Lebenslangen Vorrat an passendem Stoff anlegen ;-)

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    1. Hach ja, der perfekte Hosenschnitt. Das Einhorn unter den Schnittmustern... ;) Stimmt, ordentlich Nahtzugabe muss sein. Und langsam steige ich auch durch und weiß, dass ich die meisten Änderungen - sofern NZ vorhanden ist - auch am bereits zugeschnittenen Teil machen kann.

      Auf deinen Rat hin habe ich mal die drei letzten Ottobre-Ausgaben durchgeschaut und tatsächlich einen sehr reizvollen Schnitt entdeckt. Den werde ich dann demnächst mal testen. Wir dürfen also weiterhin gespannt sein. ;)

      Vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße
      Julia

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