30. April 2015

Wenn einer eine Reise tut: Rom 2015: Tag II

Wir werden um 7.30 Uhr von David Bowies Heroes aus dem Schlaf gerissen sanft geweckt. Zur Zeit habe ich a) eine David-Bowie-Phase, nachdem vor nicht allzu langer Zeit eine Doku über ihn auf ARTE lief b) ich aktuell eh nicht so viel Musik auf dem Handy habe und mir das c) noch von allen Titeln am ruhigsten erschien. Okay, Space Oddity hätte es auch getan aber Heroes gefällt mir einfach besser... Nach dem recht übersichtlichen Frühstück machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur Piazza del Popolo.

Kulinarisch-historischer Stadtbummel


Piazza de Popolo...mit Obelisk.   


10.00 Uhr, Piazza del Popolo.  Heute treffen wir Annett. Annett ist die ehemalige Nachbarin von Herrn Galoppo, die inzwischen seit mehr als 8 Jahren mit ihrem römischen Zahnarzt glücklich in Italiens Hauptstadt lebt. Nachdem sie lange am Colosseo gearbeitet hat, ist sie jetzt seit kurzem als offizielle selbständig Tour Guide tätig. Wir haben für den ersten Tag den kulinarisch-historischen Stadtbummel bei ihr gebucht.

Wir beginnen unseren Rundgang oberhalb der Piazza und laufen zur Spanischen Treppe. Von dort oben genießt man eine herrliche Aussicht auf Rom.

Unseren Spaziergang spickt Annett immer wieder mit interessanten Details und historischen Fakten. So heißt die Spanische Treppe eigentlich Scalinata di Trinità dei Monti. Da aber die spanische Botschaft dort ihren Sitz hatte und der Platz am Fuße der Treppe spanisches Hoheitsgebiet war, hat sich die andere Bezeichnung schlussendlich durchgesetzt. Über die Via die Condotti mit ihren zahlreichen Highend-Designer-Läden und die Via del Corso (für den schmaleren) Geldbeutel geht es weiter Richtung Piazza Navona. Unterwegs werfen wir einen Blick in die eine oder andere Kirche oder entdecken wunderschöne kleine Hinterhöfe.

Kein Hinterhof sondern ein Kreuzgang.
Hadrianeum...oder was davon übrig blieb...heute die Börse.

Annett ist voller Begeisterung für die Stadt im allgemeinen und insgesamt ist die Führung sehr kurzweilig, denn man lernt sehr viel, ohne dass man das Gefühl hat, in einer Geschi-Stunde zu sitzen. Und man merkt sehr deutlich, dass es ihr die alten Römer besonders angetan haben. Zum Pantheon, dem Hadrianeum, der Marc-Aurel-Säule, der Engelsburg - die ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian erbaut wurde, und erst später durch zahlreiche Päpste zur Burg umgebaut wurde - erfahren wir besonders viel.

Pantheon von außen (man beachte den für Rom obligatorischen Obilisk)...
...und von innen....
...und mit Blick auf die offene Kuppel.

Annetts Beschreibungen sind so realitätsnah, dass man sich fast ein wenig in die Zeit zurückversetzt fühlt. Ich erkenne, dass ich von den Römern vom Geschichtsunterricht in der 7. Klasse nicht so viel zurückbehalten habe. (Vom Romanistik-Studium und 11 Monaten Latein inklusive Latinumsprüfung an der Uni ganz zu schweigen...aber das Französische hat sich ja eh aus dem Vulgärlatein entwickelt...*sichrausred*) Da hatten es mir die Griechen mehr angetan. Aber wie Annett schon so schön sagte: "Die Römer haben ja vieles einfach von den Griechen geklaut und einfach umbenannt".

Piazza Navona...und was versteckt sich da weiter hinten? Riiiiichtiiiig, ein Obelisk.

Aber der Stadtbummel wäre nicht historisch-kulinarisch, wenn wir uns nicht auch den lukullischen Seiten Roms zugewandt hätten. Kurz vor de Piazza Navona trinken wir einen caffé - wie der Espresso in Rom heißt - bei einem der besten Kaffees Rom.

Tazza d' Oro

So wie das die Römer pflegen: schnell, im Stehen an der Bar für 70 Cent. Ich habe selten einen so guten Espresso getrunken. Schwarz, stark, kein bisschen bitter und sehr cremig und fast schon leicht süß. Nach ein paar Erklärungen zur Fontana del Moro geht es weiter zum Mercato di Campo dè Fiori.

Marktstand auf dem Campo dei Fiori

Dort ist jeden Tag Markt und man kann neben frischem Obst und Gemüse auch Pasta in allen Varianten, Kräuter und Gewürzmischungen und natürlich verschiedenste Öle und Essige kaufen.

So langsam bekommen wir Hunger, wollen aber eigentlich nur eine Kleinigkeit essen. In einem kleinen Restaurant in einer Seitenstraße bestelle Annett Bruschette, eine gemischte Vorspeisenplatte mit Schinken, Salami und Käse und auf meinen besonderen Wunsch noch ein paar Supplí. Die wollte ich als Nahrungsmittelbeauftragte nämlich unbedingt kosten. Joah, die Kleinigkeit entpuppte sich dann als so reichhaltig und viel, dass wir abends dann auf ein üppiges Abendessen verzichtet haben. Was besonders auffällt ist die gute Qualität und Frische der Zutaten. Annett erklärt, dass die Italiener darauf auch besonders großen Wert legen und eigentlich ausschließlich heimische Produkte verwenden. Überhaupt besticht die Italienische Küche durch Einfachheit: Wenige Zutaten, einfach in der Zubereitung - dafür aber von bester Qualität. Und das sogar zu recht erschwinglichen Preisen. Dafür, dass Rom eine europäische Metropole ist, haben mich die Preise doch wirklich
überrascht - positiv!

Nach dem Mittagessen geht es weiter zum Largo di Torre Argentina mit der Area Sacra.

Area Sacra - ein El Dorado für herrenlose Katzen.

Hier befindet sich eine Ausgrabungsstätte römischer Tempel. In einem dieser Gebäude wurde Gaius Julius Caesar ermordet und Annett erklärt, was es in diesem Zusammenhang mit den Iden des März auf sich hat.

Eigentlich würde der Stadtbummel vor der Engelsburg enden, aber da wir die Vatikanischen Museen und den Petersdom für den nächsten Tag einplant haben, bringt uns Annett zurück zur Eisdiele mit den 150 Eissorten.

Hier könnte ich gut und gerne eine ganze Woche bleiben...

Okay, in der Auslage waren es jetzt nicht ganz so viele. Aber die Wahl fiel trotzdem nicht leicht, sodass wir in den Tagen darauf zu unserem Leidwesen noch mal wieder kommen mussten. So viel Eis und so wenig Zeit. Eisdielen in Rom funktionieren auch noch ein bisschen anders als bei uns: Erst kauft man sich ein Ticket für die Größe des Bechers/der Waffel am Schalter, dann geht's zur Auslage, um sich die Sorten auszusuchen.

Wie wir von Annett erfahren eignen sich die vielen Brunnen der Stadt nicht nur zum Händewaschen eisverklebter Finger, sie zeichnen sich auch durch eine hervorragende Trinkwasserqualität aus, da sie noch immer wie zu Zeiten der Römer von den Quellen aus den Bergen gespeist werden. Das Wasser kann - wenn nicht anders am Brunnen vermerkt - problemlos getrunken werden und so füllen wir unsere Wasserflaschen gerne auf.

Mit Laufschuhen getarnt als US-Bürger...
Da uns Annetts Führung so gut gefallen hat, vereinbaren wir noch eine zweite durchs Kolosseum und das Forum Romanum für den Donnerstag. Danach machen wir uns auf dem Weg zum Hotel. Wir gehen einen "kleinen" Umweg über die Via del Corso bzw. dem dort befindlichen GAP. Wenn man schon mal die Gelegenheit hat, sollte man sie auch nutzen...im Sale hüpfen dann zwei Hosen ins Körbchen, die auch noch perfekt zu meinen Spring Style Along Plänen passen.

Wir kommen zurück ins Hotel: W-LAN. Mit Entsetzen muss ich feststellen, dass seit dem frühen Morgen die Anmeldung für die Annäherung Süd in vollem Gang ist. Zut, alors! Da das W-LAN immer wieder aussetzt, schaffe ich es erst mal nicht, das Anmeldeformular auszudrucken und setze eine verzweifelte Mail an Alex ab. Kurz darauf geht es dann doch. Ich habe den genialen Einfall, dass Formular per Mail an die Rezeption zu schicken und mir ausdrucken zu lassen. Ich mache ein Foto und maile meine Anmeldung zurück. Puh. Jetzt heißt es abwarten und Daumendrücken, dass nicht schon alle Plätze belegt sind.

Abends haben wir immer noch keinen Hunger, und beschließen, in dem Bar/Restaurant mit dem Mittagstisch vom Vortag ein Panino zu essen. Lecker und gut. Und doch sättigender als gedacht...blurps!

Wer in Rom ist und auch eine tolle Reiseführerin in deutscher Sprache buchen möchte, der kann bei Annett unter www.deutsche-römerin.de anfragen. Noch ein paar Infos zum kulinarisch-historischen Stadtbummel gibt es auf Annetts Internetseite nachzulesen. Es gibt natürlich so etwas wie eine Standard-Route, aber wenn man besondere Wünsche hat, dann kann Annett diese auch in ihrem Rundgang berücksichtigen.

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