19. Mai 2015

Spring Style Along - Being on the needle II...oder wieder mal Hosen!

Wieder eine Woche vorbei und diesmal heißt es bei Marja Katz "Being on the Needle II". Wir sollten also hoffentlich alle intensiv am Nähen sein...

Ja, ja, das Hosenthema - es lässt mich einfach nicht los. Letzte Woche dachte ich ja noch, dass ich ein Flat Seat Adjustment brauchen könnte, wollte diese Annahme aber erst mal an einem anderen Hosenmodell verifizieren. So viel sei gesagt: ein Flat Seat Adjustment brauche ich wohl nicht. Im Ergebnis zog die Hose hinten beim Hinsetzen nämlich nur derbe nach unten und die gerade gestellte Naht in der rückwertigen Mitte musste ich schlussendlich wieder schräg stellen. (Oder hatte ich es einfach nur zu gut gemeint?)

Aber dennoch: ich habe am Wochenende eine sehr gut sitzende Hose fabriziert. Sie sitzt so, wie ich das gerne hätte und so traue ich mich, bald endlich den guten Stoff anzuschneiden.

Aber von Anfang: Nach der ersten etwas enüchternden Anprobe der neuen Hose, habe ich - mal wieder - ein bisschen recherchiert und bin beim Hobbyschneiderinnen24-Forum gelandet. Ich fand einen Thread, der ähnliche Falten wie bei mir behandelte und ähnliche Lösungsversuche der Marke 'Trial and Error' zeigte.

Hier noch mal die Ausgangssituation: diagonale Falten, die von der äußeren Beinnaht  nach oben reichen, die aber nicht durch Mehrweite an der inneren Beinnaht behoben werden:



Auf Seite 36 des Threads (oder so) fand ich dann ein Lösungsversucht, der sich mit meiner Beobachtung deckte, dass die Falten verschwinden, wenn ich die seitliche hintere Beinnaht nach unten schiebe: die hohe Hüfte. Das Verhältnis zwischen seitlicher Länge und hinterer Mitte stimmt nicht, da die Hüfte mehr Länge erfordert.Wäre ich im Leben nicht drauf gekommen, dass es das sein könnte, da meine Hüften an der vollsten Stelle ja eher flach sind. Aber klingt irgendwie auch logisch. Irgendwo muss ja die große Differenz zwischen Taille und Hüftumfang ja erst mal herkommen. Und wenn nicht an der Hüfte, dann wohl irgendwo obendrüber... ;) Dass sich die Falten vorne nicht zeigten, ließe sich wahrscheinlich dadurch erklären, dass ich die vordere Mitte ja eh schon abgesenkt hatte.

Die notwendigen Änderungen am Schnittmuster oder der fertigen Hose werden übrigens im Burda-Nähbuch sehr schön gezeigt. Aber man muss die Notwendigkeit dieser Anpasssung erstmal identifizieren, da bei Burda die Symptome der hohen Hüfte nach außen drehende Bügelfalten sind. Das fiel mir völlig durch's Raster.

Also, was war an meiner genähten Hose bei der hohen Hüfte noch zu retten? Wir rekapitulieren: Die hintere Mitte (die ich durch Vertiefen der Schrittnaht um 1,5 cm wieder etwas angehoben hatte) saß durch das Flat Seat Adjustment ja sowieso tiefer, ebenso die vordere Mitte, um die etwas zu bauschige vordere Schrittlänge zu bändigen. An der fertigen Hose habe ich den Bund dann einfach innerhalb der Nahtzugabe 1 cm weiter oben angesetzt, und so die schrägen Falten von der Seitennaht endlich weggekriegt. Yes.

Am Schnittmuster wird die fehlende Länge übrigens durch einen keilförmigen Einschub an der Seitennaht ausgeglichen und ggf. etwas Weite zugegeben.

Allerdings: Wenn ich die Beine zusammengestellt habe, waren wieder welche da. X-Beine habe ich ja eigentlich keine. Aber: Mir fiel die Laufbandanalyse wieder ein, die ich von ein paar Jahren im Laufgeschäft habe machen lassen. Auf dem Video war sehr deutlich zu erkennen, dass sich nicht nur bei den Fußknöcheln eine Überpronation zeigt, sondern meine Beine auch im Kniebereich nach innen knicken. Deckt sich auch mit der Beobachtung, dass Bügelfalten bei mir schräg zur Mitte fallen. (Denke ich mal. Ich krieg' hier echt noch 'nen Knoten ins Hirn!)

Im Forum wurde empfohlen, an der fertigen Hose die Mitte des Beines zu verlagern, indem man Weite an der Innennaht durch Auslassen der NZ zugibt und dafür an der außeren Beinnaht wegnimmt. So wird auch die ursprüngliche Weite beihalten. Palmer/Pletsch (Pants for real people) schreiben, man solle einfach auf der gesamten Länge der inneren Beinnaht zugeben. Dadurch wird aber das gesamte Bein einfach nur weiter, was ich für den falschen Ansatz halte. Dann kann ich mir auch einfach einen weiten Sack überstülpen, der macht dann auch keine Falten. *augenroll*

In diesem Beitrag (wieder mal von Stiches and Seams) wird eine Änderung des Schnittmusters vorgestellt, die für mich sinnvoll erscheint, da ich a) keine "richtigen" X-Beine habe und es gleichzeitig die Problematik der "full inner tighs" addressiert. Das werde ich also zusätzlich zur Anpassung der hohen Hüfte nächstes Wochenende versuchen und berichten.Und dann kann ich hoffentlich Tom Hanks wieder öffentlich und völlig zurecht um's Feuer tanzen lassen. ;) Insgesamt ist es aber auch beruhigend zu wissen, dass man mit großzügiger Nahtzugabe so ziemlich alles auch noch an der fertigen Hose ändern kann. Auch ein 'Flat Seat Adjustment', sollte es denn doch in leichterer Ausprägung notwendig sein.

Ach ja, und hier mal ein Bild der neuen Hose:



Ich stehe natürlich auf keinem, der gemachten Bilder richtig gerade, oder so, dass man was gescheit erkennen könnte, aber ich bin sehr angetan. Nach zwei Tagen Tragen bin ich immer noch sehr verliebt und brauche unbedingt mehr. Aber mehr zum Modell (und Tragefotos der gestreiften Bluse) dann morgen beim MeMadeMittwoch... ;)

Und sonst so?


Nachdem die Hose fertig war, habe ich mich dann an das Nähen der bereits zugeschnittenen hellen Bluse gemacht. Der Stoff franst wie die Hölle, er lässt sich nicht gescheit in Form bügeln und ist außerdem einen Tacken zu dick für eine Bluse. Außerdem sieht er getragen eher Beige als Cremeweiß aus. Rentnerbeige. Örgs. Der leichte Retro-Charakter potenziert das Seniorenhafte auch noch irgendwie.

Die Blendenspitze/Knopfleiste sieht in echt viel schöner aus...muss aber aufgrund ihrer Bügelresistenz echt noch mal abgesteppt werden...


Ich hatte die Bluse ja zu den Hüften hin eine Nummer größer gradiert, aber das wäre allein schon durch die ausgestellte Form und die geraffte Mehrweite unterhalb der Passe gar nicht notwendig gewesen. Da sie aber auch im Brustbereich mehr wie ein 60er-Jahre Umstandskleidungs-Babydoll daherkommt, werde ich sie - wie schon die verlängerten Ärmel - an den Seiten noch mal enger nähen. Aber die Bluse näht sich vergleichsweise flott. Immerhin etwas...

Insgesamt ist die Bluse aber eher sowas wie die "Episode 1" unter den geplanten SSA-Stücken: Von allen Star Wars-Filmen ist Episode 1 - nicht zuletzt wegen Jar Jar Binks -  mit Abstand der schwächste und irgendwie ist man immer froh, wenn er vorbei ist. Aber einfach auslassen, geht auch nicht, denn für die Entwicklung vom kleinen, unschuldigen Anakin zum dunklen Sith-Lord ist er schon wichtig. Also durchziehen und hoffen, dass es schnell vorbei ist...

A propos vorbei: Wir nähern uns beim Spring Style Along mit großen Schritten dem Finale. Wenn ich nächste Wochenende die Hose und die Bluse fertig bekomme, liege ich so schlecht gar nicht in der Zeit. Denn auch Yuki macht Fortschritte und ich bin mit dem zweiten Vorderteil fast fertig:



Kommentare:

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  2. Auf deine Hose kannst du stolz sein, sie sieht klasse aus.

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  3. Puh, eine ganz schöne Hosen-Odysee. Respekt, dass Du nicht das Handtuch geworfen hast! Das Ergebnis kann sich echt sehen lassen. Jetzt, wo Du einen so gut passenden Hosen-Schnitt hast, kannst Du ja in Serie gehen - das hat doch was ;)

    Für die Bluse habe ich keine so richtige Lösung. Ich finde aber, ob es rentnermäßig aussieht, hängt auch immer davon ab, wie sie getragen wird - also welcher Typ die Trägerin ist. Manchmal kann man durch kleine Details den altbackenen Look ja auch noch auflockern. Extravagante Knöpfe oder Schleifchen an den Falten der Schulterpasse? Irgendwo noch farbliche Details unterbringen? Gürtel? Das gute Stück lässt sich sicher aufpeppen!

    Toll, dass Du auch bei Deiner Strickjacke so gut voran kommst. Da bin ich ja wirklich gespannt auf's Finale!

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