20. Oktober 2015

AnNÄHerung Süd in Würzburg

Als ich heute gestern Morgen im Büro ankam, fühlte es sich an, als sei ich Wochen weg gewesen. Dabei hatte ich nur den Freitag freigenommen. Ein in jeglicher Hinsicht sehr intensives Wochenende liegt hinter mir. So voller Eindrücke, dass es sich anfühlt, als hätte ich eine ganze Woche im Kreise der Nähnerds verbracht.

Aber mal auf Anfang: Freitagmorgen begann damit, dass der liebe Captain Riesling über Nacht "Magen-Darm" bekommen hat und  ich von ihm trotz großzügigem Einsatz von Desinfektionsspray (Captain Riesling ist Biologe!) auf das Gästeklo geschickt wurde. Da ich schon um 6.45 Uhr aus dem Bad draußen war, war genug Zeit um eine liebevolle Freundin zu sein und im Rewe noch zwei Flaschen Cola zu organisieren. Ich schnitt die "Brownies des Todes" (ebenfalls mit desinfizierten Händen, no worry!) in Stücke, packte alles zusammen und machte mich gegen 11 Uhr auf den Weg zu meinem Resident-Nähnerd-Ines, die uns sicher nach Würzburg kutschiert. Auf der Fahrt hören wie die letzte Folge des Nahtzugabe 5cm-Podcasts mit Frau Vau, den Ines tollerweise runtergeladen hatte. Nach Würzburg rein standen wir eine Stunde im Stau, trotzdem waren wir schon um 15 Uhr da und trafen auf dem Parkplatz mit Blaupause 7 und Sabine gleich die ersten Teilnehmerinnen.

Die JuHe war so freundlich, uns schon den Schlüssel für den Raum zu geben. So konnten wir alles schon mal hochtragen und uns Plätze mit Blick aus dem Panoram-Fenster sichern.Wobei die gegenüber liegenden Plätze jede Menge Licht auf das Nähzeug ermöglichten. Man hatte also die Qual der Wahl.

Nach und nach trudelten dann die nächsten Teilnehmerinnen ein. Viele erkannte man sofort, andere die ohne Kopf bloggen, hab' ich dann wohl recht unverblümt gefragt, wer sie denn jetzt seien. Ähem. Ich hoffe, ich hab' damit keine vor den Kopf gestoßen...


Die gesammelten Steckbriefe der Nähprojekte

Nach dem gemeinsamen Abendessen und der Vorstellungsrunde ging es ans Einrichten der Maschinen und ich habe bis Mitternacht genäht. Zu Hause für mich eigentlich undenkbar. Viel zu müde, was sich mit hohem Fehlerpotenzial und Auftrennerei bemerkbar macht. Aber in Würzburg war alles anders und so konnte ich noch am ersten Abend die erste Anprobe wagen.

Ach ja. Das war übrigens mein Nähprojekt:



Ein Wintermantel aus der Dezember-Burda von 2012. Aus schwerem, dunkelblauem Wollvelours, den ich im August bei 30 Grad einen ganzen Abend mit immer länger werdendem Arm über das Wiesbadener Weinfest geschleppt hatte. (Aber bei 3,50 Euro pro Meter und 80 % Wollanteil musste ich einfach zuschlagen. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Oder so ähnlich.)

Bis 1 Uhr wurde noch gequatscht, gefachsimpelt und beraten, bevor ich den Weg in Richtung Bett fand.

Den Wecker hatte ich mir für 7 Uhr gestellt, in der Hoffnung, noch vor allen anderen unter die Dusche zu kommen. Ich brauch' ja immer ein büschen länger, weil ich mich ja gern ausgiebig schminke und fänd's doof, wenn alle auf mich warten müssten. Frühstück gab es um 8 und um 9 Uhr saßen wir alle schon wieder voller Tatendrang an den Maschinen.


Im Gegensatz zu einigen anderen bin ich auch gar nicht raus nach Würzburg. Aber als sich gerade die Gelegenheit bot, saß ich an einer sehr kniffeligen Kragen-Operation. Ähem. Außerdem war ich vor 20 Jahren schon mal auf Klassenfahrt hier *rausred*


Geballte Kreativität und Konzentration

Der Samstag verlief eigentlich ähnlich wie der Freitagabend zuvor. Intensives Nähen wechselten sich mit tollen Gesprächen ab. Es herrschte eine ganz besondere Stimmung, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Ich glaube, weil einfach alle es sichtlich genossen, sich so intensiv ihrem Projekt widmen zu können und das nicht wie so oft allein, sondern umgeben von den tollsten Frauen, mit denen man sich auf Anhieb durch die gemeinsame Leidenschaft sehr verbunden fühlte. Die Vielfalt an Kleidungsstilen war schier überwältigend und vor allem: inspirierend! Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich an diesem Wochenende schockverliebt der Meinung war, ohne dieses oder jenes Teil nicht mehr weiter leben zu können. Ich sag' nur smaragdgrüner Retro-Plüschmantel! Die Schnittmuster-Wunschliste wuchs und wuchs... Und auch die Beratung, mit der wir uns alle gegenseitig unterstützt haben, war einfach ganz großartig. So wird mein Mantel doch ohne Thinsulate auskommen müssen. Eine Klimamembran - wie ihn meine Zimmernachbarin Frau Naehkatze für ihren grandiosen Vogue-Mantel verwendet hat - ist bestellt...

Organisatorin Alex hatte außerdem eine Stoffauswahl von Fashion for Designers dabei. Um den Goldfischprint bin ich ja schon länger rumgeschlichen. Und auch wenn ich erst glaubte, keinen roten Stoff zu benötigen, wanderten Sonntagmorgen doch noch 2,3 m in mein Körbchen. Öhm. Ja. Kein Kommentar. Aber die Qualität, Leute, die Qualität...!


Fette Beute...

Am Sonntagvormittag dann die letzte Näh-Session und nach dem gemeinsamen Mittagessen, die große Abschlusspräsentation mit Applaus für jedes einzelne Projekt. So viele wunderbare Projekte, mit denen sich die Teilnehmerinnen sicherlich (ich ganz bestimmt!) den besonderen Spirit dieses Wochenende ganz einfach überstreifen können....

Ganz gespannt bin ich schon auf die besondere Podcastfolge, für die Muriel zwischendurch immer wieder Kurzinterviews mit den Teilnehmerinnen geführt hat.

Gegen 17.30 Uhr war ich wieder zu Hause. Auf der Fahrt schmiedeten Ines und ich schon erste Pläne, wie ein Rhein-Main-Näh-Stammtisch zukünftig aussehen könnte. Dazu demnächst mehr.

Auch ich möchte der Organisatorin Alex noch ganz herzlich danken, dass sie dieses grandiose Event auch außerhalb des Bielefeld-Kreise für uns möglich gemacht hat. Der Termin im nächsten Jahr ist im Kalender fett geblockt!

Wer sich die Wartezeit bis zur nächsten Annäherung - ob nun in Würzburg, Bielefeld oder an der Ostsee - versüßen will, dem kann ich noch das Rezept für die Karamell-Brownies ans Herz legen. Ursprünglich hießen sie mal die "Brownies des Todes" gemäß der Maxime "death by chocolate". Für mich sind es jetzt nur noch die AnNÄHerungsbrownies. Enjoy!


AnNÄHerungsbrownies a. k. a. die "Brownies des Todes"

 

Rezept für eine Form à 25 x 25 cm, ergibt ca. 15 Stück

  • 200 g Schokolade (ich hatte diesmal einfach auf Zartbitter zurückgegriffen, bei 70-85% Kakaoanteil wird's natürlich schokoladig-herber)
  • 120 g Butter
  •  3 EL Back-Kakao
  • 3 Eier
  • 250 g Zucker
  • 1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker oder Mark einer halben Vanilleschote
  • 1/2 TL Salz
  • 180 g Mehl
  • 2/3 Glas Dulce de Leche (z. B. die Karamell-Konfitüre von Bonne Maman* (im ursprünglichen Rezept  vorgesehen:  100 ml Kondensmilch 2/3 Packung softe Karamell-Bonbons, z. B. Sahne MuhMuhs)


Die Schokolade mit der Butter über dem Wasserbad schmelzen und das Kakaopulver einrühren. Darf ruhig klumpig sein, das macht gar nix. Die Eier mit dem Zucker und dem Vanille hell aufschlagen, die handwarme Schokolade unterrühren. Das Salz und das Mehl mit dem Teigschaber gerade eben so unterheben, dass eine homogene Masse entsteht. "Don't overmix", wie es in vielen US-Rezepten so schön heißt!

Für die Variante mit den Karamell-Bonbons: Milch in einem Topf erhitzen und die Bonbons darin auflösen.

Die Hälfte des Teiges in eine gefettete und gemehlte Brownie-Form füllen und bei 175°C ca. 10-15 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen und die flüssige Karamellcreme auf dem Teig verteilen. Nach Belieben gehackte Nüsse oder Schokolade einstreuen. Ein halber bis ganzer Teelöffel Fleur de Sel macht sich auch gut! Anschließend den restlichen Brownie-Teig möglichst gleichmäßig darauf verteilen. Das geht am besten, indem man mit einem Löffel einzelne Portionen daraufsetzt und miteinander verbindet. Zurück in den Ofen und nochmals ca. 25-30 Minuten fertigbacken. Lieber zu kurz als zu lang, der Brownie soll ja in der Mitte schön klitschig sein.

*Anmerkung: Ich hatte bei der AnNÄHerung statt der Bonbons auf fertiges Dulce de Leche zurück gegriffen. Die blieb sehr viel flüssiger und zog beim Backen nicht viel an. Dadurch lief der Karamell teilweise am Rand  raus und aufs Backblech und war auch beim Essen eine ziemlich feiste Sauerei. Tränkte die beiden Teigschichten aber auch etwas mehr durch.Wer also eine etwas beständigere und festere Karamellschicht möchte wie oben auf dem Bild, der macht sich die Mühe mit dem Auflösen der Bonbons. So oder so bleiben beide sehr schön saftig!



Kommentare:

  1. Liebe Julia, das ist ja lustig. Heute morgen hatte ich noch an deinen Mantel gedacht und mir überlegt, ob du es nicht mal mit Zwischenmembran probieren solltest. Jetzt hast du die Folie schon bestellt :-) Ich kann dich auch beruhigen: Sie raschelt nur ein kleines bisschen. Das Browny-Rezept werde ich natürlich auf keinen Fall ausprobieren. Sonst muss ich für die zahlreichen Kleider, die ich plane zu nähen, eine Größe zulegen. LG Carola

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    1. Und ich hatte erst noch überlegt, ob ich dich vorher noch mal fragen soll aber dann war mein Bestellfinger wieder schneller. Aber ich stand ja beim Bügeln neben dir und fand es gar nicht so raschelig und wenn man neben dir stand, hat man auch nichts gehört. Und dein Mantel ist sooo schön geworden!!

      Ja die Brownies sind nicht ohne und mit Vorsicht zu genießen... ;) Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Diätassistenten.

      Liebe Grüße
      Julia

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  2. Hallo Jay,

    fand´s sehr schön Dich mal in Echt kennen zu lernen und vielen Dank für das Rezept.
    Die Brownies war so super lecker.

    Lieber Gruß, Muriel

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  3. Sehr schöne Idee mit der Klimamembran. Lässt du mir ein Stück zum Fühlen übrig?
    Für das nächste Jahr habe ich schon Anspruch auf das große Auto angemeldet, damit wir uns wieder zusammen mit Sack und Pack auf den Weg machen können.

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    1. Aber na klar lass' ich dir was übrig zum Begrabbeln. Und schön, dass wir nächstes Jahr wieder gemeinsam Cruisen! :D

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  4. Hachz, es war sehr schön dich in echt kennenzulernen. You made my Day , and death by choclate wir bei mir in Julia's Versuchung umbenannt. Ich brauch dringend Karamellbonbons.
    Das du dich gegen das dicke Innengeflausche entschieden hast find ich super...wobei ich ja noch nie eine klimamembran in der Hand hatte, magst du das mal genauer vorstellen ? Dein Mantel wird super, überhaupt sind deine Sachen echt superstilvoll! !
    Wehmütige und liebe Grüsse
    Stella

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    1. Ja so ging's mir auch. Nachdem ich irgendwann so ultra-sympathische Fotos von dir uns Sonja auf deinem Blog gesehen hatte, habe ich mich sehr darauf gefreut, dich in Echt kennenzulernen! Und als du rein kamst war das irgendwie so "Bäm! Die Frau ist einfach präsent und aus dem Stand sehr einnehmend." Im positiven Sinne! :)

      Die Membran stelle ich dann vor, wenn ich sie verarbeitet habe, vielleicht auch schon vor der Abschlusspräsentation für den Mantel. Viel ist eigentlich ja nicht mehr zu machen.

      Julia's Versuchung.... welch' sündiger Name! :D

      Ebenso wehmütige Grüße zurück
      Julia

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  5. Danke für das Rezept, ich hatte ja auch das Glück ein Stück genießen zu dürfen. saulecker!
    Schade, dass das tolle Wochenende so schnell um war.
    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Freut mich, dass sie dir geschmeckt haben. Und ja, das Wochenende ging viel zu schnell vorbei.

      Granville macht sich morgen oder Donnerstag auf den Weg!

      Liebe Grüße
      Julia

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  6. Es war wirklich schön! Eine ganz gemütliche und sehr produktive Annäherung war das. Und Würzburg kannst du ja auch beim nächsten Mal noch angucken ;)
    Vielen Dank für das Rezept! Die Brownies waren sooo lecker!
    LG frifris

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  7. AnNÄHerungs-Brownies ist ein toller Name - sie sind auch einfach köstlich und jede Kalorie wert!! Ich musste mich wirklich bremsen, um nicht einen nach dem anderen zu futtern. Danke für das Rezept. Und Dein Mantel ist auch super geworden und steht Dir ganz toll.
    Liebe Grüße
    Brigitte

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  8. Ein toller Bericht, bei dem man sich wünscht, dabei gewesen zu sein! Die Atmosphäre ist toll eingefangen. Und besonders schön sind natürlich die AnNÄHerungs-Brownies. Wir hatten bei der letzen AnNÄHerung in Bi von Birgit einfach phänomenal schokoladige & supersofte Schoko-Cookies mit Kürbis. Ich glaube, eine diese Veranstaltung verlangt nach einer "death by chocolate"-Einheit...Liebe Grüße - Mrs Go

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  9. Es hat sich tatsächlich richtig nach Urlaub angefühlt :) Ich finde es auch sehr schön, jetzt ein paar Tage danach, in den Berichten und Erinnerungen zu schwelgen... Es war so schön - und da schließe ich mich auch an - deine Brownies waren saulecker!

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