16. November 2015

The Working Girl - made up or not?

***Der nachfolgende Beitrag schlummerte jetzt schon einige Wochen im Entwurfs-Ordner. Ist angesichts der Ereignisse in Paris ausgerechnet  j e t z t  der richtige Zeitpunkt, um ihn zu veröffentlichen? Ich finde: Ja. Dass wir uns in dieser Form über unser äußeres Erscheinungsbild Gedanken machen und frei darüber bestimmen können, wie wir aussehen möchten, ist ein Privileg, denn nicht überall auf dieser Welt haben unsere Mitmenschen, die gleichen Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens. Dieses Privileg ist Teil der Freiheit, die unseren alltäglichen Lebensstil ausmacht. Und er war es, der am Freitag angegriffen wurde.Wenn wir uns das nehmen lassen, haben sie schon gewonnen...***

Ich geb's ja zu, der Titel ist etwas doppeldeutig. 'Made up' meint hier nicht 'erfunden' sondern im Sinne von geschminkt. Wobei - das Spiel mit Schein und Sein auch beim Make-Up ganz klar gegeben...nachdem ich das Thema dieses Posts nun schon ein paar Wochen gedanklich bearbeite, versuche ich jetzt einfach mal, die verschiedenen Gedankenstränge zusammen zu führen...

Aber worum geht's eigentlich? Mit großem Interesse habe ich beim Working Girl Sew Along - organisiert von mamamachtsachen - die einzelnen Überlegungen zum persönlichen Ideal-Work-Outfit und den Besonderheiten des eigenen Jobs gelesen. Gestolpert bin ich über Kleiderschmiedes Text zum nicht übermäßig weiblichen/maskulinen Outfit, den klassischen Hosenanzug, den sie ihres Dafürhaltens nach benötigt, um in ihrer Zunft nicht als Assistentin sondern als vollwertige Kollegin wahrgenommen zu werden.

Auf Twitter wurde emsig darüber diskutiert, wie Weiblichkeit im Job aufgenommen wird und Alex hatte sich ihres Zeichens ebenfalls mit dem Thema auseinander gesetzt. Dass es die eine richtige Antwort nicht geben kann, ist wohl klar. Dafür sind die Berufe, Branchen und persönlichen Einstellungen zu divers. Menschsein halt.

Soviel zum Vorgeplänkel. Steigen wir dann doch mal bei Kleiderschmiedes Standpunkt ein. Wenn Sie der Auffassung ist, sie braucht die typisch maskulin(ere) Uniform um als gleichwertig wahrgenommen zu werden - wie sieht es dann mit Make Up aus?

Das Tragen von Make Up im Alltag ist in unserem westlichen Kulturkreis den Frauen vorbehalten. Ein Mann, der zu Foundation oder Concealer greift, wird bestenfalls belächelt, wenn nicht sogar verhöhnt. Oder schlimmeres. Bei Frauen ist es ganz selbstverständlich akzeptiert, dass sie Teint-optimierende Produkte benutzt.

Ich habe ja hier schon mal was zum Thema Make Up geschrieben und zusammenfassend lässt sich sagen: ich liebe Kosmetik. Ich bin auch an reinen Zu-Hause-Tagen nicht ungeschminkt, weil mir der Akt des Schminkens an sich Spaß macht. Ich experimentiere gerne mit Farbe und treibe es mal mehr mal weniger bunt. Aber: Wie meine Kolleginnen versicherten: Technisch immer sehr gut gemacht. Und ich glaube das ist der Punkt, wo es schnell kippt. Geschminkt - auch farbig - ist okay, solange es professionell wirkt. Wenn die Foundation zu dunkel ist, der Kajalstrich verschmiert, das Rouge einen Tacken zu balkig wird oder die Farben nicht typgerecht sind - DANN nehmen wir Make-Up  bewusst wahr und dann wird aus geschminkt/optimiert schnell zugekleistert.

Ich plaudere jetzt mal ein bisschen aus dem Nähkästchen. Auf der AnNÄHerung, war ich umgeben von tollen, attraktiven und klugen Frauen und ich war bei sehr vielen davon überzeugt, dass sie ungeschminkt ganz natürliche Schönheiten sind. Als wir uns dann abends im Gemeinschaftsbad bettfertig machten, fiel mir tatsächlich auf, dass ich mich da sehr getäuscht hatte und der Teint bei einigen in natura eben doch etwas unebenmäßiger ist. Bitte nicht missverstehen, alle waren deswegen nicht weniger attraktiv, ich stellte für mich nur fest, dass ich offensichtlich nicht die einzige bin, die zu Teint-optimierenden Maßnahmen greift. Und vollends verwundert war ich, als die Kulturbeutelvergesserin in unserem Zimmer mich fragte, ob sie sich mein Rouge leihen könne. Und ich dachte nur so: "Hä? Wieso denn das, trägt sie doch sonst nicht. Oder doch?" Was schlussendlich für ein besonders natürliches und somit nahtlos-perfektes Make-Up spricht...

Was will ich mit diesem Exkurs eigentlich sagen? Ich glaube, es gibt so etwas wie einen blinden Fleck. (Dezentes) Make-Up im Alltag fungiert meistens wie eine Art Filter, der sich über das Bild legt. Man nimmt ihn nicht bewusst wahr, sondern erst, wenn der Schleier gelüftet wird. Oder das getränkte Wattepad alles runterholt. Umgekehrt ist es aber auch so, dass mir das sehr bewusst auffällt, wenn eine keine Make-Up trägt. Oder geht das nur mir so, weil ich hierfür besonders affin bin? So oder so glaube ich jedoch, dass das Working Girl unabhängig von Branche und Umfeld im Alltags-Make-Up nicht einer spezifisch weiblichen Rolle zugeordnet wird.

Andererseits gibt's aber dann ja auch die Art Make-Up, die man sehr bewusst wahrnimmt. Make-Up ist nicht nur eine Möglichkeit, Makel zu überschminken oder Vorzüge hervorzuheben. Make-Up ist auch die Verlängerung des Kleiderschranks. Nicht umsonst wird auch das Make-Up der Models auf den Modenschauen buchstäblich inszeniert. Oder man denke an die derzeitige Hipster-Uniform bestehend aus der aktuellen H&M-Kollektion und Oma's Klamotten, die erst durch den Messy High Bund und knallrote Lippen aufgebrochen werden. So wie es für jede das todsichere Wohlfühloutfit gibt (Stichwort Kleidung als Schutzschild oder Rüstung) so gibt es auch Make-Ups und Farbkombinationen, die immer gehen und zu allem gut aussehen*.  Stehe ich morgens auf, dann überlege ich noch vor dem Schminken, was ich anziehen will und stimme mein Make-Up darauf ab: eher warme Farben oder eher kühl? Braucht das Outfit heute eine Extraportion Weiblichkeit, weil es sonst zu maskulin/burschikos wirkt? Ist das Outfit sehr auffällig und braucht dafür vielleicht einen eher reduzierten, klaren Look? Wirkt die Schwarz-Kombination mit dem Lippenstift in Fuchsia nicht am besten? Und natürlich gibt es auch berufliche Situationen, wo man sich optisch bewusst zurücknimmt: Offizielle Termine mit unbekannten Teilnehmern bringen mich dazu, mich in Anzug oder Kostüm mit dezentem Make-Up dem beruflichen Umfeld anzugleichen.

Ich glaube, dass längerfristig Kompetenz und Persönlichkeit und das eigene Auftreten im beruflichen Umfeld das äußere Erscheinungsbild überstrahlt. Im positiven wie im negativen Sinne, denn bei völliger Inkompetenz wird auch der beste Business-Anzug das nicht verbergen können.

Aber das ist nur meine Meinung zum Thema. Wie seht ihr das denn? Make-Up im Job: Yay or nay?! Fällt euch das auf, wenn jemand sich schminkt oder eben gar nicht schminkt und wie wirkt es auf euch? Ich bin gespannt auf eure Meinungen! :)





*By the way: MACs Satin Taupe mit Vex auf dem inneren Augenlid und einem Körnchen Signed Sealed für etwas mehr Tiefe im Außenwinkel

Kommentare:

  1. Ich gehöre wie Du zu den immer geschminkten, es gehört einfach zu mir. Ich bin da auch nicht gerade dezent, aber das bin ich ja allgemein nicht ;-) Ich finde ein Hauch von Rouge, Wimperntusche und ein dezenter Lippenstift lässt jede Frau ein bisschen frischer aussehen ohne angemalt zu sein und passt zu jedem Job. Mir fällt auf jeden Fall auf, wenn jemand sehr gut geschminkt ist, aber auch, wenn es zuviel ist oder nicht zum Typ passt.
    Ich glaube das viele nicht die Übung haben und deshalb es ganz sein lassen. Ich brauche das, obwohl ich nicht zu denen gehöre, die sich ständig nachschminken, ausser den Lippenstift mal nachziehen. Allerdings habe ich morgens manchmal lustige Szenen, weil ich ohne Brille nur die Hälfte sehe und den Lidstrich erst im dritten Anlauf hinkriege ...
    LG Eva

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  2. Ich kann es nicht - bin zum Schminken völlig untalentiert. Dabei bräuchte eine blasse Blonde ein wenig Farbe, um Struktur in das Gesicht zu bekommen. Vielleicht bin ich auch vorgeschädigt. Vor Jahrzehnten habe ich einen professionellen Schminkkurs geschenkt bekommen. Alles was es auf dem Markt an Concealer, Grundierung und Puder gab, wurde auf meinem Gesicht verteilt. Dann wurde noch mit Rouge und Lidschatten gespielt. Die Wimpertusche wurde großzügig aufgetragen und der Lippenstift vollendete das maskenhafte Gesicht. ES WAR FURCHTBAR. Ja, und das hat sich eingeprägt.
    Ich würde gerne mit etwas Farbe arbeiten, da ich ständig "müde" aussehe. Habe aber Angst, dass es wieder maskenhaft aussieht. Arghh - ein Teufelskreis.
    Zu deiner letzten Frage: Ja, ich impliziere Make-up und gute Arbeit. Meine Freundin ist Steuerberaterin, stets unauffällig geschminkt und äußerst effektiv im Beruf. Ihre Selbstdisziplin sich jeden morgen zu schminken, setze ich gleich mit ihrer Arbeit. (Komisch, habe mir vor deinem Post nie Gedanken darüber gemacht.)
    LG Martina

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