22. Januar 2016

Farbe?

Bevor wir im nächsten Beitrag tatsächlich zum ersten Mal zu Farbe greifen, wollte ich gerne noch einen Beitrag dazwischen schieben. Also eigentlich. So ganz, wie ich mir das dachte, funktioniert es einfach nicht. Mich hat es ehrlich gesagt gewundert, dass bisher keine danach gefragt hatte, woher sie weiß, welche Farben ihr stehen. Das war tatsächlich etwas, was mir früher große Probleme bereitet hat.

Ich hab beim Thema Farbberatung nur sehr, sehr, sehr rudimentäre Kenntnisse und - nun ja -  kann die Frage für mich beantworten, aber nicht für andere. Das habe ich nach dem Durchlesen von Michous wirklich sehr umfassende Artikeln gemerkt und  ich kann sie euch wirklich nur sehr ans Herz legen - wer sie nicht schon längst kennt! Und sie hat wohl Recht, wenn sie sagt, dass sie damit die Quintessenz zusammengefasst hat: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5

Was mir vor einigen Jahren wirklich sehr weitergeholfen hat, war die Erkenntnis, dass es kühle Farben und warme Farben gibt, und auch wir Menschen teilen ins auf in kühl oder warm getönt. Mischtypen gibt es nicht.

Den nachfolgenden Absatz habe ich bei Michou geklaut, er fasst es wie ich finde perfekt zusammen:

"Die Farb­be­ratung beruht auf der Erkenntnis, dass unsere eigenen Farben gene­tisch fest­gelegt sind und sich zwar ver­ändern können, das aber nur innerhalb eines bestimmten Bereiches. Es gibt zwei Farb­pig­mente im Menschen, von denen jeder nur eine Sorte in sich trägt. Es handelt sich dabei um Melanine, das sind farb­ge­bende Horn­stoffe und Horn ist überall dort in großen Mengen zu Hause, wo der Körper mit kör­per­fremden Stoffen in Berührung gerät — sämt­liche Schleim­häute, aber für uns inter­essant vor allem in Haar, Haut und Nägel.

Die Melanine sind zum Einen das Phaeo­me­lanin, das gelblich-orange-braun ist und das Eume­lanin, das gräulich-braun ist. Ihr seht schon: Ersteres ist ein soge­nannter warmer Farbton — also mit einem deut­lichen Gelbstich — während das Andere dem kühlen Farb­be­reich — also bläulich — zuzu­ordnen ist. Und nur eines von beiden tragt ihr in euch. Damit ist fest­gelegt, ob euch warme oder kühle Farben besser stehen.

Nun lassen sich Haut und Haar noch weiter unter­scheiden: abhängig von der Anzahl der Pigmente ergibt sich ein sehr zarter Hautton, hell­blaue Augen und sehr hell­blonde Haare (kaum Pigmente vor­handen) bis hin zu sehr dunkler Haut, schwarzen Augen und Haaren (sehr viel Pigment vor­handen). Auch das ist gene­tisch vor­ge­geben und ändert sich nur minimal durch Son­nen­bräune oder Alter (wenn die Pro­duktion der Farb­stoffe nach­lässt). Aber immer noch sind die vor­han­denen Pigmente an ihr Farb­schema warm oder kalt gebunden. Auch die Stärke der Durch­blutung, die Dicke der Haare und Haut spielt bei der Farb­gebung eine Rolle und auch diese ist wei­test­gehend fest­gelegt. Diese Faktoren bestimmen nun die Stärke oder Trans­parenz der eigenen Farbe und deren Leucht­kraft: so können die eigenen Farben leuchten oder eher dezent durch­scheinend sein.

Somit kann ich unsere natür­lichen Farben in vier Gruppen ein­teilen: die warm-leuchtenden oder warm-gedämpften Töne und die kühl-gedämpften oder kalt-leuchtenden Farben. Damit habe ich schon die Vierer-Gruppierung, wie wir sie von der Farb­be­ratung her kennen."

Ich bin ja der festen Überzeugung, dass die Natur erst mal alles richtig macht und die individuelle Kombination aus Haaren, Hauttönung und Augenfarbe, die uns genetisch gegeben sind, perfekt zueinander passen. (Weshalb ich am Samstag einen Friseurtermin habe und inständig hoffe, dass mir die Friseurin einen so wunderbaren Aschton aufs Haupt zaubern kann, wie ich den normalerweise hätte. Blöder Fehler, blöd!)

Bei Make-up-Farben ist es - wie ich finde - ein ganz klitzekleines bisschen anders. Natürlich sehe ich als Sommertyp in kühlen Farben besser aus und grauer Lidschatten lässt meine Augen richtiggehend leuchten. Aber auch warme Farben kann ich bis zu einem gewissen Grad gut tragen, sofern sie aufeinander abgestimmt sind. Wichtig ist, dass im Gesicht kühle und warme Nuancen nicht miteinander gemischt werden. Also kein kühles Rosa auf den Lippen zu einem korallig-warmen Rouge. Wenn kühler Lippenstift und kühles Rouge, dann auch kein warmes goldig-schimmerndes Braun auf den Augen.

Michou: In der Tat kann man bei den Augen eine Ausnahme machen, wenn der Lidschatten oder der Kajal nicht zu großflächig aufgekleistert wird: hier kann man nämlich wunderbar mit den Komplementärfarben spielen, um die Augenfarbe durch den Kontrast zu betonen. Aber auch Naturtöne wie sand, beige, taupe lassen sich zu fast allen anderen Farben kombinieren, wenn sie als Schatten verwendet werden - also um Konturen zu geben oder zu verschleiern und ein Make up ungeschminkt erscheinen zu lassen

Julia: Für Anfänger dürften YxBB-Farben am besten geeignet sein. Ich nenn' es jetzt mal so. Die ursprüngliche Bezeichnung ist YLBB - 'Your lips but better'. Das bezog sich auf Lippenstifte, die dem natürlichen Lippenrot sehr nahe kommen, sie einfach nur noch ein bisschen besser aussehen lassen. (Mein persönliche YLBB-Lippenstift ist übrigens 'Creme in your coffee' von MAC.)

Das gleiche Konzept lässt sich aber auch auf andere Bereiche, wie z. B. die Wangen übertragen. In welchem zart-rosa oder vielleicht doch eher koralligem Ton strahlen meine Wangen nach einem langen Winterspaziergang? Mit dieser Tönung machen wir eigentlich nichts falsch und sehen - vor allem, wenn man so ein Blasshäutchen ist wie ich - sehr viel gesünder und erholter aus. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich früher - vor allem noch zu Schulzeiten und auch noch in der Oberstufe - gefragt wurde, ob ich krank sei oder ob's mir schlecht gehe. (Gut, im ziemlich öden Kunstunterricht war das sogar ganz nützlich, da konnte ich problemlos mit einer Freundin frische Luft schnappen gehen...ist das vielleicht der Grund, warum ich das mit den Farben erst so spät kapiert habe?! Aber nein, damals haben wir nur gemalt und getöpfert oder Speckstein bearbeitet.) Bei Rouge oder Neu-Deutsch 'Blush' finde ich die Pastell Compact Blushes von Max Factor sehr schön und anfängertauglich.

Bei Lippenstiften würde ich absoluten Newbies raten, erst mal die leicht getönten und nicht ganz so krass deckenden Lippenstifte zu verwenden. Im Drogeriesegment wurde ich z. B. bei Catrice fündig und habe einen der 'Luminous Lips" auch in Benutzung. Sehr leicht pigmentiert, sehr cremig. Trägt sich gut. (Catrice finde ich im Drogeriesegment überhaupt recht gut. Die Ausnahme bilden die Lidschatten.)

Bei MAC (sorry, ich bin da absolutes Fangirl!) gibt es Lippenstifte mit so genanntem "Lustre"-Finish. Die sind leicht durchscheinend und können prima ohne Konturenstift getragen werden. Konturenstifte mag ich selbst nämlich gar nicht, das empfinde ich an mir als sehr fremd und viel zu hart, selbst wenn ich versuche, sie etwas abzusoften. Wer Konturenstift verwenden möchte, der sollte zwingend Ton in Ton sein. Dunkle Lippenkontur und heller Lippenstift sind sowas von Früh-Neunziger und geht einfach gar nicht!

Michou: Konturenstift wird dann dein Freund, wenn die eigenen Konturen sich immer mehr verwaschen und der Lippenstift im Laufe des Tages in die Fältchen um den Mund herum verschwinden will...


Julia: Genauso wenig wie mit Konturenstift kann ich mich mit den ganz matten Lippenstiften anfreunden. Die finde ich häufig nicht nur optisch nicht-schön sondern auch vom Tragegefühl eher mau weil austrocknen. (Gleiches gilt für mich übrigens auch für Lipgloss. Glitzert und glänzt viel zu sehr, fühlt sich klebrig und künstlich an, verschmiert.)

Irgendwo zwischen matt und cremig liegen die Mega Last Lippenstifte von wet'n'wild. Die Farben sind natürlich SEHR knallig, aber das Tragegefühl ist gut und die Haltbarkeit wirklich enorm. Einziger Wehrmutstropfen: Die unintelligente Verpackung. Die obersten 2 cm sind nämlich nicht zum Einziehen und man kommt beim Verschließen leicht mit dem Deckel dran.

Bei MAC und Bobbi Brown - und ich schätze auch mal bei den anderen "besetzten" Countern im Parfümerie-Segment, kann man sich Rouge oder Lippenstift vor dem Kaufen erst mal auftragen lassen. Ich hab' das bislang nur mit Lippenstiften bei MAC gemacht, da läuft's so ab: Lippenstifte werden mit Alkohol desinfiziert und die oberste Schicht mit einem Kleenex vom Lippenstift abgestreift.

Noch ein Tipp: Schaut euch Farben auch mal bei Tageslicht an. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Farben bei Kunstlicht wirken. 

 Die Tage war ich zu Recherchezwecken im Douglas und am NYX-Aufsteller hat sich eine Dame mittleren Alters (also jetzt kein Teenager mehr) einen Tester aus dem Regal gezogen und dann munter angefangen sich die Lippen zu schminken. Ich hab' mich sooooooo geekelt. Ich finde das in der Drogerie ja schon immer zum Davonlaufen und dachte eigentlich, im Douglas sei das nicht der Fall. Uaaah. Ich war auch wirklich kurz davor ihr sie zu fragen, ob sie eigentlich wisse, dass das saueklig sei - aber dann hab' ich's mir doch verkniffen... Mein letzter Rat an euch für heute lautet also: Wenn's in der Drogerie keine einzeln versiegelten Exemplare gibt, dann greift euch die hintersten aus dem Aufsteller raus und guckt vorher mal rein, ob den schon jemand benutzt hat.

Michou: Ist eigentlich auch verboten, genauso wie das Aufdrehen von Verkaufsware - aber es ist unglaublich, wie schnell manche Kundinnen dabei sind. Meist die, die dann noch ohne Hallo und Auf Wiedersehen probegeiern :-D

Julia: Zu Lidschattenfarben und Paletten wollte ich später beim Thema Lidschatten etwas ausführlicher schreiben. Long story short: Ich liebe MAC. Aber ich liebe MAC bei nahezu allem, was mit Farbe zu tun hat. Nur Foundations und Mascaras können sie echt nicht. Aber zum Thema Lidschatten ein andermal mehr. Erst mal komme ich auf Rouge und Contouring zu sprechen und ich hoffe, dass ich das zeitnah fertig kriege.

Und wenn ihr noch Fragen habt: Los her damit! :)

Kommentare:

  1. Deine Serie hier ist sehr interessant, ich bezeichne mich zwar nicht als Newbie, da ich in den 90gern sehr,sehr heftige Schminkzeiten gemacht habe, aber mit Foundations und Co hab ich wenig Ahnung, schliesslich gabs damals sooo reichhaltige Auswahl nicht...Mit Make-up und Foundations und sonstigen Avbdeckcremes war ich schon immer auf Kriegsfuss. Entweder es krümelt oder schmiert, oder es deckt mir zu stark ab, ab und zu steh ich mal wieder im Müller und tupfe so rum...oder auch gern mal im body shop..aber das wird nichts..zu maskenhaft, zu anders für mich. Warscheinlich sollte ich mal in einen hochwertigeren Laden reinschlüpfen, aber dazu fehlt mich noch der Druck.
    Ich neige ja zu starken Pigmentflecken im Sommer,Sommersprossen und roten Backen.
    Hmm, ist ja aber auch Sommer.Mittlerweile ist das Faltenaufkommen stärker, und möglicherweise werde ich dieses JAhr mal eine Creme mit Sonnenschutz raussuchen müssen...Was hälst du denn von diesen BB-cremes ? ISt das sinnvoll ? oder ist das nur TAgespflege ?
    Farbig schminken mach ich recht häufig, meist grün-oliv-gold-braun, ich ordne mich eher zu den Herbsttypen denen warme Töne stehen, aber weiss manns wenn man keine Farbberatung gemacht hat ?? Rouge benütze ich nie, aber da liegt daran das ich eben auch mein Gesicht nicht abdecke.
    Ich hätte gerne LidstrichAugen...aber weder hab ich solche Augen, noch kann ich einen sauberen Lidstrich...

    Liebe Grüße
    Stella

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  2. Ich finde, du hast so eine schöne Haut - und die kenne ich ja auch live und in Farbe - dass du Abdeckprodukte gar nicht brauchst. Bestenfalls etwas ganz ganz leichtes, da könnte sogar schon ein leichtes Puder reichen um den Teint optisch etwas zu beruhigen. Die BB-Cremes, die ich bislang mal getestet hatte, hatten für mich wirklich Null Tönung und für mich ist das nix, ich brauche mehr Abdeckung. Und auch bei meiner Kollegin, die jetzt kein so unruhiges Hautbild wie ich hat, fand ich, es sah wie gänzlich ungeschminkt aus. Da kann man dann getrost auch einfach nur die normale Tagespflege benutzen. Ich würd's an deiner Stelle wahrscheinlich einfach mal mit einem Klecks passender Foundation versuchen, die ich unter die normales Tagespflege mische. Aber wie gesagt: Ich finde deinen gesunden Teint mit allen Sommersprossen und den rosigen Wangen einfach toll!

    Sonnenschutz ist übrigens das Beste, was man zum Thema Anti-Aging machen kann. Du musst nur mal schauen, was du da nimmst. In letzter Zeit kommt immer mehr das Thema hoch, dass viele chemische UV-Filter potenziell hormonell wirksam sind. Mineralische Filter wie Zinkoxid oder Titandioxid tun das nicht, aber Zinkoxid trocknet die Haut aus. Aber da gibt's einiges im Netz dazu.

    Tja, mit Farbberatung, da sagst du was. Unheimlich spannendes und weites Feld. Ich hätte dich niemals beim Herbst einsortiert, weil ich deinen Haaransatz ziemlich aschig finde. Sind deine Sommersprossen eher gräulich-braun oder tatsächlich goldig? Das wäre auch noch ein gutes Indiz. Außerdem finde ich, dass dir die kühlen Farben sehr viel besser stehen als die warmen. Aber wie gesagt, nur die Meinung einer Dame, die sich damit ein bisschen auseinander gesetzt hat. Ich hab' vor Jahren mal eine gekannt, die sich sehr damit beschäftigt hat und die diagnostizierte bei mir einen dunklen Sommer. Und da sich alle ihre Aussagen mit denen von Michou decken, bin ich da sehr zuversichtlich, dass das eine kompetente Aussage ist. :)

    Bin gerade auch sehr glücklich, wieder bei meinem aschigen Naturton zu sein. Steht mir einfach viel besser. Und die Haare sind ab. Also so richtig. :D Hatte ich früher schon lange und oft und ich find's grad richtig geil!

    Wenn Grundierung für dich grundlegend zu fremd ist, dann ist auch der Besuch in der Parfümerie nichts für dich. Die sind ja zum Teil noch viel künstlicher unterwegs. Was du mal probieren könntest, wäre bei MAC einen Schminktermin für ein leichtes Tagesmake-up zu vereinbaren. Kostet so um die 50 Euro und wenn du danach Produkte kaufst, wird das verrechnet. MAC-Verkäuferinnen sind richtige Make-up Artists und die gehen für gewöhnlich auch sehr auf deine Wünsche ein.

    Hab' ne tolle Woche und lass' dir gut gehen! :)

    Liebe Grüße
    Julia

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  3. Du hast ein wenig Licht in die Dunkelheit der Farbberatung gebracht. Für mich war bisher nicht klar, dass Melanin für die Farbgebung entscheidend ist. Aber jetzt verstehe ich das.
    Trotzdem - schwierig. Ich bin nämlich ausgewiesener zertifizierter Frühling und fühle mich so fürchterlich in einigen von diesen Frühlingsfarben. Alles was in den orangen Bereich wandert, finde ich grenzwertig. Ja, es verursacht körperlichen Schmerz. Und das kann dann doch nicht richtig sein!?! Übrigens habe ich den "Test" 3x durchgeführt. (Jedesmal von einer anderen Farbberaterin.) Als ich das erste Mal als Frühling ausgewiesen wurde, war ich so enttäuscht, dass ich eine zweite Meinung einholen wollte. Ja, und - Sommer. OK, damit konnte ich leben. Aber der Gedanke, dass ich vorher ein Frühling war, geisterte ständig in meinem Kopf umher. Eine dritte entscheidende Meinung musste her. Und die bescheinigte wieder den Frühling. Mist!

    LG Martina

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  4. Ich glaube, ehrlich gesagt, auch nicht, dass du ein Frühling bist. Aber da ich keine Farbberaterin bin, hat mein Wort wohl nicht allzu viel Gewicht... ;)) Aber wenn ich mir ansehe, wie gut dir Rosa steht...!

    Liebe Grüße
    Julia

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